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Ein Bischof sorgt für Empörung, weil er angeblich die Knochen hingerichteter Ketzer unter einem Altar versteckt hat.

Ein Priester öffnet eine Holztruhe mit einem Schädel darin, umgeben von Geistlichen und Gläubigen in einer Kirche.

Am Dienstag in der Früh is da Weihrauchduft no in da oidn Steinkirchn g’hängt, wie si des Geraun’ plötzlich wia a kalter Luftzug durch d’Gäng aufi g’schlichen hat. A Trupp Hackler hat beim Hauptaltar a routinemäßige Restaurierung g’macht und dafür die schwere Marmorschlappn aufg’hoben, während a poa Pfarrleut no im Gebet dableibn san. Oane davon, a ältere Frau mit’m Rosenkranz fest in de Finger eing’dreht, hat g’sagt, sie hätt’n Vorarbeiter fluchen g’hört, ganz leise, unter’m Atem. In da Altarnisch’n drin – eing’wickelt in abg’rieb’nes Leinen und z’samm’gebund’n mit roter Schnur – san Knochen g’legen. Net von Heiligen, hot ma de Arbeiter später g’sagt, sondern von Männern und Frauen, die vor Jahrhunderten als Ketzer hingerichtet word’n san. Und laut am grantigen Priester hätt da Bischof des eh die ganze Zeit g’wusst.
D’Kerzn san weiter brennt. Da Glaube hat si nimma gleich an’g’fühlt.

Wenn Heiligkeit auf a versteckte Kistn voller Knochen trifft

Des erste Foto is no vor’m Mittag in de WhatsApp-Grupp’n von da Pfarre umadum gangen: a körniges Bild von am Oberschenkelknochen, ausg’breitet auf a Plastikfolie, rundherum abg’platzter Marmor und Staub. Innerhalb von Stunden is aus’m G’schichtl in de Bänke a Thema fürs Lokalradio word’n. Da Vorwurf war einfach und brutal: Da Bischof hätt angeblich vor Jahren anordnet, dass d’Knochen von mittelalterlichen „Ketzern“ unter’m Altar versteckt werd’n, damit ka Skandal aufkommt und ma „die Gläubigen schützt“.
Für vü Gläubige hat genau des mehr weh tan als da Fund an si. A Altar is des Herz von da Kirch’n, da Tisch von da Eucharistie, da Ort, wo d’Gemeinschaft mit Vertrauen z’samm’rückt. Auf amoi hat des Herz ausg’schaut wia a zua’gsperrte Schachtl, versiegelt mit Geheimnissen und Angst.

A junge Religionslehrerin, mit der i vorm Kirch’nportal g’redt hab, hat no zittert vor Wut. Sie hat erst in da Wochn davor ihre Klasse genau zu dem Altar knien lassn. Dort ham’s Kerzn anzündt – für a krankes Kind in da Klass und für an Onkel auf da Intensivstation. „Mir bringan eam bei, dass des heiliger Boden is“, hot’s g’sagt. „Und jetzt fühl i mi, als hätt i eam o’g’logn.“
Am Abend is die Facebook-Seitn von da Pfarre voll g’wesen mit Kommentaren. Manche ham g’fleht, ma soll net zu schnell urteilen. Andere ham den Rücktritt vom Bischof verlangt. A Online-Petition, gestartet von ana Laiengruppe mit da Forderung nach völliger Transparenz, hat über Nacht tausende Unterschriften z’samm’kriagt. Da Schock is net nur um d’Knochen gangen – sondern drum, wie lang so vü Erwachsene rundherum nur g’flüstert ham.

Hinterm Aufruhr steckt a lange, unordentliche G’schicht. In vü oidn Kirchen lieg’n Reliquien von Heiligen versiegelt in Altären – als Zeichen von Kontinuität zu de ersten Märtyrer. Des weiß ma, und für Gläubige is des oft tröstlich. Zum Lernen, dass d’Überreste unter genau dem Altar vielleicht stattdessen zu Leit g’hörn, die als Ketzer verurteilt word’n san – und womöglich ung’recht zum Schweigen bracht – dreht des Symbol auf’n Kopf.
Vom Logischen her schaut die angebliche Entscheidung vom Bischof, des zu verstecken, aus wia a klassischer Reflex: „Institution schützen“. Kirchenleitungen, die mit ana schmerzhaften Vergangenheit konfrontiert san, fürchten oft den Skandal mehr als d’Wahrheit. Aber Geheimnisse gären. Und wenn’s auffliegt, frisst des Vertrauen vü schneller weg als a offene Wund, die ehrlich versorgt word’n wär.

Wie Gläubige zruckred’n, wenn Vertrauen bricht

Des Auffälligste in de Tog danach san net d’Knochen am Tisch g’wesen, sondern a plötzliche, unbequeme Form von Mut im Pfarrsaal. Bei am Notfall-Termin is da Bischof allanig an am Plastiktisch unter an flackernden Neonkreuz g’sessn, während Laien si beim Mikro ang’stellt ham. A pensionierter Schuldirektor hat vorg’schlag’n, ma soll an unabhängigen Historiker beauftragen, der d’Überreste und d’Archive untersucht. A junger Vater hat g’meint, ma könnt die versteckte Nisch’n im Altar in a sichtbares Mahnmal umgestalten – für alle, die im Namen von „Reinheit“ verfolgt word’n san.
Die stillen Pfarrleut, de normal nach da Mess d’Sesseln stapeln, ham auf amoi in klaren, ruhigen Sätzen g’sprochen.

Fehler aus da Vergangenheit ham si auf amoi ganz nah ang’fühlt. Großeltern ham si erinnert, wie ma eam’s beig’bracht hat, Priester nie zu hinterfragen. Eltern mittleren Alters ham G’schichten aus Missbrauchsskandalen teilt, wo „eh jeder irgendwos g’wusst“ hat, aber alle still blieben san. A Mutter is aufg’stand’n und hat, sanft aber bestimmt, g’sagt, ihr Teenager hätt die Frage g’stellt, die vü Erwachsene net aussprechen traut’n: „Wenn’s bei de Knochen g’logn ham – was verstecken’s sonst no?“
Mir kennan des: der Moment, wo d’G’schicht, mit der ma aufg’wachsen is, plötzlich weniger wie a Familienerzählung klingt und mehr wie a Vertuschung. Die Gläubigen ham vom Bischof ka Perfektion verlangt. Sie ham was Unbequemer’s verlangt: Verantwortung jetzt, net erst in Jahrzehnten, wenn Akten endlich auftauchen.

Hand aufs Herz: Ka Mensch liest jeden Tag die diözesanen Berichte über „Denkmal- und Kulturgutmanagement“. D’meisten vertrauen – fast automatisch. Drum trifft der emotionale Schlag so hart, wenn a verborgenes Kapitel auf die schlechtest mögliche Art aufspringt. Der Vorwurf, dass da Bischof d’Knochen bewusst unter’m Altar geheim g’halten hat, sticht in genau des stille Alltagsvertrauen.
Gleichzeitig zeigt der Moment aa an Wandel. Gläubige geben si nimma mit geflüsterten Erklärungen in da Sakristei z’fried’n. Sie woin schriftliche Zeitlinien, Einblick in d’Archive, klare Antworten: Wer hat was wann g’wusst – und warum is Schweigen statt Wahrheit g’wählt word’n? Der logische nächste Schritt für a Gemeinschaft in so ana Situation is net, den Glauben wegz’werfen, sondern eam aus’m Schatten in die offene Luft vom gemeinsamen Nachfragen z’holen.

Aus am Skandal a Forderung nach Klarheit macha

A praktischer Schritt hat d’Stimmung g’ändert, wenn aa nur a bissl. Beim zweiten Pfarrtreffen san a poa Laienvertreter mit an einfachen Vorschlag auftaucht, am Laptop formuliert: a Drei-Schritt-Plan für den Umgang mit de Knochen. Schritt eins: sofortige Entfernung der Überreste unterm Altar und vorübergehend Lagerung an am sichtbaren, neutralen Ort – in da Seitenkapelle. Schritt zwoa: Einsetzung von ana unabhängigen Gruppe – a forensischer Experte, a Historiker und a Vertreter, den da Pfarrgemeinderat bestimmt. Schritt drei: a öffentlicher Bericht, net in Juristendeutsch, sondern in klarer Sprache, mit Zeit für Fragen.
Des war net revolutionär. Aber es war greifbar – und die Leit ham si vorstellen können, dass des wirklich passiert.

Wovor vü Gläubige in solchen Krisen am meisten Angst ham, is net die Vergangenheit an si, sondern der Nebel, der danach gern liegen bleibt. Schwammige Versprechen von „Aufarbeitung“ ohne Termine oder Namen. Weiche Formulierungen über „bedauerliche Umstände“, die Verantwortung ausweichen. A einfühlsamer Zugang fangt anders an: indem ma anerkennt, dass die Leit, die beim Altar beten, si persönlich betroffen fühl’n. Ihre Trauer is net abstrakt.
Typische Fehler wiederholen si: Verantwortliche reden nur mit da Presse und vergessen die Leit in de Bänke. Opfer und Nachfahren von Verfolgten werden net eingeladen. Entschuldigungen werden vom Zettl abg’lesen statt aus’m Bauch ausg’sprochen. In dem Fall hat jede kleine, ehrliche Geste – sogar a Eingeständnis von Angst oder Verwirrung – mehr Gewicht als polierte, distanzierte Wörter.

Bei ana ang’spannten Sitzung is a Pfarrangehörige aufg’stand’n und hat a Nachricht vorg’lesen, die sie si wünscht, dass da Bischof sagen würd. Es hat si ang’hört wie a Entwurf für genau die einfache Sprache, nach der alle verlangt ham:

„I hab Angst vor am Skandal g’habt. I hab glaubt, Schweigen würd euren Glauben schützen. I war im Unrecht. I bitt euch jetzt um Hilfe, dass ma die G’schicht gemeinsam anschaun – aa wenn’s mi beschämt.“

Dann hat’s a sichtbare, dauerhafte Antwort vorg’schlag’n. Net a verstecktes Dokument in irgend am Diözesanakt, sondern:

  • a kleine Tafel in der Nähe vom Altar, wo die hingerichteten „Ketzer“ als Menschen g’nannt werden, net nur als Kategorie
  • a jährlicher Gedenkgottesdienst, gemeinsam vorbereitet von Historikern und Pfarrleut
  • a klare Online-Archivseitn, wo jeder den Stand der Untersuchung nachverfolgen kann

Für vü im Saal hat die Mischung aus Bekenntnis, Benennung und Ritual weniger nach PR g’klingt und mehr nach an Weg nach vorn.

Wenn Knochen lauter reden als Predigten

Die G’schicht von de Knochen is längst über an Bischof und an Altar hinaus. Leit, die nie in die Kirch’n eineg’gangen san, teilen die Fotos, streiten in Kommentarspalten, erinnern si an ihre eigenen Enttäuschungen und leisen Rückkehr’n. Auf a komische Art is aus’m Skandal a öffentliches „Workshop“ word’n, was Glaube bedeutet, wenn der Lack Risse kriagt.
Manche werden weggeh’n, zumindest für a Zeit. Andere bleiben, aber mit offeneren Augen und weniger naiven Gebeten. A poa werden vielleicht zu ihrer eigenen Überraschung merken, dass das Hinschauen auf’s Wirrwarr der G’schicht ihre Bindung ans Evangelium schärfer macht, net schwächer. Schmerz kann Nebel lichten.

A sauberes Ende gibt’s bei sowas net. DNA-Tests werden zruckkemma. Historiker werden über Begriffe streiten: Ketzer, Dissident, Märtyrer. Da Bischof wird vielleicht zrucktreten oder bleiben – gedemütigt oder trotzig. Was bleibt, is a Gemeinschaft, die in ihren eigenen Altar hineing’schaut hat und des nimmer „ung’seng“ machen kann.
Zwischen Stein und Knochen hat si wos Unsichtbares verschob’n. Leit reden z’amm in Höfen und Küchen, wart’n nimma auf offizielle Sätze, die eam sagen, wie’s sich fühlen soll’n. Dieses ruhige, waagrechte Gespräch – zwischen Großeltern und Teenagern, zwischen Gläubigen und Skeptikern – is vielleicht grad des Spirituellste, was in der Stadt passiert.

Kernpunkt Detail Nutzen für Leserinnen und Leser
Versteckte Überreste unter am heiligen Altar Knochen von hingerichteten „Ketzern“ angeblich vom Bischof verborgen, um an Skandal zu vermeiden Hilft zu verstehen, warum der Aufruhr so groß is und warum Symbole im gelebten Glauben zählen
Vom Schock zu konkreten Forderungen Pfarrleut verlangen unabhängige Expert:innen, offene Archive und sichtbare Gedenkzeichen Zeigt, wie ganz normale Gläubige aktiv reagieren können, statt still zu bleiben
Vertrauen entsteht durch Transparenz Klare Sprache, geteilte Zeitlinien und öffentliche Rituale des Gedenkens Gibt a Art Leitfaden, wie ma religiöse Skandale bearbeiten kann, ohne den Glauben gleich über Bord zu werfen

FAQ:

  • Was genau is unter’m Altar g’fund’n word’n? Arbeiter ham menschliche Knochen entdeckt, eing’wickelt in altes Tuch; lokale Historiker haben’s später mit Leit in Verbindung bracht, die vor Jahrhunderten als religiöse „Ketzer“ hingerichtet word’n san – net mit offiziell anerkannten Heiligen oder Reliquien.
  • Warum wirft ma dem Bischof Vertuschung vor? Mehrere Priester und Laienvertreter sagen, der Bischof hätt von früheren Erhebungen her von den Überresten g’wusst und sich entschied’n, sie unter’m Altar zu lassen, weil des angeblich „die Gläubigen“ vor Verwirrung schützen würd.
  • Is es normal, dass Knochen in Kirchenaltären san? Ja. Vü katholische und orthodoxe Altäre enthalten Reliquien von Heiligen, meist dokumentiert und offen verehrt; der Schock hier kommt von der angeblichen Identität der Knochen und von der Heimlichkeit drumherum.
  • Könnten die als „Ketzer“ Bezeichneten unschuldig g’wesen sein? Moderne Geschichtsforschung zeigt oft, dass Verurteilte als Ketzer manchmal Reformatoren, Andersdenkende oder politische Gegner waren; ihre Prozesse und Hinrichtungen werden heut mit deutlich mehr Nuancen neu bewertet.
  • Was können Pfarrleut in ähnlichen Fällen tun? Sie können unabhängige Untersuchungen einfordern, klare Kommunikation von Verantwortlichen verlangen, Laienkomitees bilden und öffentliche Akte des Gedenkens vorschlagen, damit schmerzhafte Wahrheiten angeschaut werden – und net wieder vergraben.

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