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Eltern sind empört, weil die Schule klassische Literatur im Englischunterricht durch TikTok-Inhalte ersetzt.

Ein Schüler hält ein aufgeschlagenes Buch und ein Smartphone in einem Klassenzimmer mit anderen Schülern im Hintergrund.

An am regnerischen Dienstagabend warn die Sessel im Audimax der Lincoln High bis auf den letzten Platz g’füllt – Eltern mit z’sammg’falteten Tagesordnungspapierln in der Hand und halbkaltem Kaffee. Sie warn ned wegen einer Talentshow oder einer Sport-Preisverleihung do. Sie warn do, weil ihre Kinder letzte Wochn heimkemman san und g’sagt ham, sie hättn „Romeo und Julia“ über 15‑Sekunden‑TikTok‑Clips „g’lernt“.

A Mutter hat am Parkplatz durch’s Handy von ihrer Tochter g’scrollt und a beschleunigtes Audio‑Mashup aus Shakespeare‑Zitaten und Reaction‑Memes g’schaut. Sie hat gleichzeitig verwirrt und irgendwie persönlich beleidigt ausg’schaut.

Vorn im Raum hat die Leiterin vom Englisch‑Fachbereich g’wartet, Laptop offen, a PowerPoint‑Folie eingefroren auf dem Satz: „Die Schüler*innen dort abholen, wo’s san.“

Im Raum hat’s sich wärmer ang’fühlt, als es’s Thermostat angezeigt hat.

„Wir lesen Bildunterschriften statt Kapitel“: wenn Unterricht komplett auf Scroll‑Modus umstellt

Die erste Schockwelle fangt meistens am Küchentisch an. A Teenager schmeißt den Rucksack hin und erwähnt ganz locker, dass die Klasse statt an echten Roman zu lesen „trending BookTok‑Soundtracks“ analysiert hat, um Erzählstimme zu verstehen.

Eltern blinzeln. Sie fragen nach Aufsätzen, nach umg’blätterten Seiten, nach unterstrichenen Stellen. Die Antwort klingt oft so: „Wir ham Clips g’schaut und Kommentare g’schrieben. Is eh des Gleiche.“

Für immer mehr Schulen – vor allem die, die mit wenig Budget modern wirken wollen – fühlt sich der Tausch von klassischer Literatur gegen mundgerechten TikTok‑Content wie a Abkürzung zur Aufmerksamkeit an. Des Scrollen is in den Lehrplan reing’rutscht.

In der Jefferson Middle School, in ana ruhigen Vorstadt, wo die Bibliothek no nach Staub und Plastikumschlägen riecht, is der Englischlehrplan diesen Herbst still und leise „aufg’frischt“ word’n. Für die 8. Klassen san The Giver und To Kill a Mockingbird rausg’flogen. Stattdessen gibt’s wöchentliche „Media‑Literacy‑Labs“ rund um trendige TikTok‑Videos mit #BookTok und #StoryTime.

A Vater hat die Umstellung erst mitkriegt, wie er die Hausübung von seinem Sohn g’sehn hat: Screenshots von TikTok‑Kommentaren, zum „Ton und Zielpublikum annotieren“. Ka Buch, ka Ausdruck – nur verpixelte Usernamen und Emojis.

Innerhalb von Tagen is a Eltern‑Facebook‑Gruppe explodiert. Screenshots von den Aufgaben, nebeneinander mit der Leseliste vom Vorjahr, san schneller g’teilt word’n als jedes offizielle E‑Mail. Wer hat g’schrieben: „Mein Kind kann daham gratis scrollen. In die Schule schick i ihn zum Lesen.“

Unter dem Ärger steckt a echte Angst davor, was da still und leise eing’tauscht wird. Klassische Literatur is langsam, anstrengend, manchmal fad – und oft lebensverändernd. TikTok‑Content is schnell, laut, sofort belohnend. Er trainiert andere Denkgewohnheiten.

A Roman lesen baut Ausdauer auf: bei ana komplexen Figur dranbleiben, Subtext verfolgen, lange Spannungsbögen im Kopf halten. A 20‑Sekunden‑Clip schauen trainiert Blitzurteil und schnelles emotionales Umschalten.

Der Skandal is ned nur Shakespeare gegen Kurzvideo. Es geht drum, welche Art von Aufmerksamkeit Schulen kultivieren wollen. Tiefes Lesen entsteht ned aus oberflächlichen Rhythmen.

Können TikTok und Tolstoi sich an an Tisch setzen?

Manche Lehrkräfte, mitten im Kreuzfeuer, erfinden leise Kompromisse. Sie ersetzen Bücher ned durch TikTok; sie verwenden TikTok als laute Eingangstür in den Text.

A Englischlehrerin an ana High School in Chicago startet ihre Einheit zur Odyssee mit ana kuratierten TikTok‑Playlist, die Mythen in chaotischer, moderner Sprache nacherzählt. Die Kids lachen, verdrehn die Augen, streiten, welche Clips „voll daneben“ san. Dann teilt sie die echten Zeilen von Homer aus.

Sie fragt: „Was hat der Clip wegg’lassen? Was hat er verändert?“ Des wird zum roten Faden. Des Scrollen is der Haken – ned der Hauptgang. Des Buch bleibt der Schwerpunkt.

Eltern, die dagegenhalten, san manchmal ganz oder gar ned: Handys verbieten, TikTok sperren, Rückkehr zu am 1980er‑Syllabus verlangen. Des kommt aus Liebe – und aus der Angst, dass ihre Kinder nie erfahren, wie’s is, von ana 400‑Seiten‑Geschichte verschluckt zu werden.

Trotzdem leben die meisten Teenager eh schon halb in Plattformen. Wenn Schulen so tun, als gäb’s die Welt ned, dann passiert’s halt heimlich. Der Trick, sagen erfahrene Lehrkräfte, is weder TikTok zu vergöttern noch zu verteufeln, sondern es zu zähmen.

Seien ma ehrlich: Ka Mensch liest jeden Abend brav Dickens mit am 13‑Jährigen. Eltern brauchen realistische Hebel, ka Reinheitsprüfungen.

Was in diesen hitzigen Abenden oft unausgesprochen bleibt: Viele Pädagog*innen fühlen sich eing’sperrt. Bezirke jagen „Engagement‑Metriken“ nach, Anbieter drücken glänzenden Digital‑Content, Schulbehörden wollen mit innovativen Klassenzimmern angeben. Lehrkräfte kriegen die Ansage, die Augen der Kinder am Screen zu halten – egal an welchem.

Manche gestehn leise, dass sie TikTok‑Content nehmen, weil’s das Einzige is, was durch den Nebel der Erschöpfung im Post‑Pandemie‑Klassenzimmer durchschneidet. Andere haben Angst, dass sie in seichtes Wasser gedrängt werden.

„Geben S’ ma die Erlaubnis, drei langsame Wochen bei einem einzigen Roman zu bleiben“, hat mir a erfahrene Lehrkraft g’sagt, „und i geb Ihnen echte Leser*innen. Aber wenn Sie nur Click‑Through‑Rates und Participation‑Graphs schätzen, wundern S’ Ihnen ned, wenn ma zum Unterrichten anfangen wie Social‑Media‑Manager.“

  • Frag’s, was ersetzt wird – ned nur, was dazukommt
  • Schau’s nach Unterricht, der Kurzform‑Medien mit Langform‑Lesen paart
  • Unterstütz’ Lehrkräfte, die für ruhige, längere Lesezeit kämpfen
  • Stell’ Programme in Frage, die Literatur auf „Content“ und „Engagement‑Daten“ reduzieren

Wo ziehen ma die Grenze zwischen Relevanz und Kapitulation?

Der Streit über TikTok im Englischunterricht is in Wahrheit a Streit darüber, wofür Schule da is. Is sie dazu da, die Feeds zu spiegeln, in denen Kinder eh schon leben – oder a Raum, der Türen aufmacht zu etwas Langsamerem, Fremderem, Schwererem zum Monetarisieren?

Wir kennen des alle: der Moment, wo’s eigene Kind überm Handy hängt, über a Video lacht, das ma ned versteht – und ma das Gefühl hat, Aufmerksamkeit wird in immer kleinere Stückerl g’schnitten. Und jetzt stell dir das gleiche Gefühl vor, aber unter Neonlicht, mit a Note drauf.

Manche Eltern gehn in die nächste Curriculum‑Night kampfbereit. Andere gehen mit angehaltenem Atem rein und hoffen auf an g’scheiten Mittelweg. Irgendwo zwischen TikTok verbieten und komplett niederknien davor gibt’s an fragilen Raum, wo Schülerinnen lernen können zu scrollen – und auch bei am Satz sitzenzubleiben, bis er sich endlich öffnet.*

Dort liegt der echte Kampf. Ned um Apps, sondern um die Art von Köpfen, die ma still und leise bauen – Aufgabe für Aufgabe.

Kernpunkt Detail Nutzen für die Leser*innen
Stell konkrete Fragen Leselisten anfordern, Beispielaufgaben, und wie TikTok‑Content verwendet wird Bringt Klarheit statt schwammiger Beruhigungen
Auf Ausgewogenheit schauen Kurzform‑Medien mit ganzen Texten paaren, ned ersetzen Hilft deinem Kind, Aufmerksamkeit und Medienkompetenz aufzubauen
Durchdachte Lehrkräfte stärken Pädagog*innen unterstützen, die ruhige, durchgehende Lesezeit schützen Erhöht die Chance, dass Klassiker im Unterricht lebendig bleiben

FAQ:

  • Frage 1 Ersetzen Schulen wirklich klassische Bücher komplett durch TikTok‑Videos?
  • Frage 2 Woran erkenn i, ob die Lehrkraft TikTok als Werkzeug nutzt und ned als Ersatz?
  • Frage 3 Was soll i bei am Schultermin sagen, ohne dass es klingt, als würd i Lehrkräfte angreifen?
  • Frage 4 Kann Kurzform‑Content meinem Kind wirklich helfen, Bücher lieber zu mögen?
  • Frage 5 Was kann i daham machen, um a „scroll‑lastigen“ Unterricht auszugleichen?

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