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Influencer zerstören Reiseziele und Touristen schauen zu.

Personen fotografieren malerische Küstenstraße mit Handy und Ringlicht, Steinweg, Meer im Hintergrund.

Auf an Klippenweg in Süditalien hat si a klane Menschentraubn um a einzelne rosa Tür versammelt. Die Tür führt nirgends hi; des is nur a Requisit, in den Fels überm Meer gschraubt. Tourist*innen stelln si bei 30 Grad in ana leisen Schlange an, schiebn si langsam vor, scrolln am Handy. Oana nachm andern steigt durch die Tür, macht exakt des gleiche Über-die-Schulter-Posele, und druckt dann die Kamera wieda am Freund oder ana Freindin in die Hand. Ka Mensch schaut länger als drei Sekunden zum Horizont.
Dann geht a Einheimischer vorbei, will an der Schlange vorbei zu seinem abgestellten Scooter. Er verdreht die Augen, murmelt wos vor si hin und is weg. Die Schlange bewegt si ned.
So schaut Reisen heut aus.
Und des is ka Zufall.

Von Geheimtipps zu Content-Farmen

Vor ned allzu langer Zeit war a „geheimer Strand“ a Platz, den ma zufällig gfundn hat, weil ma si verirrt hat – ned, weil ma an Hashtag eintippt. Heut is der Weg zu fast jedem schönen Fleckerl auf da Welt gpflastert mit Ringlichtern, gponserten Outfits und Stativbein, die si in den Sand bohren. Orte, die früher wild gwirkt ham, schaun auf amoi inszeniert aus – als hätt ma’s in Freiluft-Filmsets umgebaut.
Des Sonderbarste dran: Wie normal uns des mittlerweile vorkommt.
Scrolln, Screenshot, buchen, nachmachen.

Nehma s Bergdorf Hallstatt in Österreich, des ausschaut wie a Postkartl: steile Dächer, Kirchturm, a See wie Glas. Vor a paar Jahren hat a koreanische Serie des als Kulisse gnommen. Influencer san nachzogn. Heut fluten in der Hochsaison bis zu 10.000 Besucher am Tag ein und knipsen exakt des gleiche Foto von exakt der gleichen Plattform. Bewohner*innen ham Holzbarrikaden aufgstellt, damit ma den berühmten „Ausblick“ ned mehr so einfach hat, weil’s ihnen reicht, dass um 6 in da Früh Drohnen an den Fenstern vorbeisurren.
Die Reisebusse kumman trotzdem – und laden Stative und pastellfarbene Mäntel aus.

Was da passiert, is im Grunde einfach: Plattformen belohnen Wiederholung. Wenn a bestimmtes Foto in Santorini oder Bali gut rennt, schiebt da Algorithmus des still an Millionen weiter, und Millionen denk’n still: „Des Foto will i a.“ Das Ziel is dann ka Ort mehr, sondern a Hintergrund. Und sobald des Denken sitzt, fragen die Leut nimma: „Wie is des dort eigentlich?“, sondern: „Wo stell i mi hin fürn Shot?“
Des Ergebnis is a komische Schleifn: Influencer verkaufen an Traum, Tourist*innen zahlen dafür, dass’s ihn nachspielen, und die Einheimischen zahlen den Preis.

Unsre stille Mitschuld als Tourist*innen

Es gibt a klane, aber starke Gwohnheit, die viel ändern könnt: Mit Fragen reisen statt mit Checklisten. Ned die ganz großen, philosophischen Fragen. Einfache wie: „Wer lebt do eigentlich wirklich?“ oder „Wo gehn die Leut hin, wenn’s ned grad in dem Platzl san?“ So Fragen schubsen di weg vom polierten Weg – und weg von den exakten Koordinaten, die alle andern grad geotaggt ham.
Auf amoi wirkt das gleiche Reiseziel breiter – weniger wie a Set und mehr wie a lebendiger Ort.
Und genau des is der Anfang von Schadensbegrenzung.

A Freindin hat ma von ihrer Bali-Reise letztes Jahr erzählt. Sie hat ma ihre Fotos zeigt: die berühmte Dschungelschaukel, der Infinity-Pool, der Wasserfall, eingerahmt von perfekt drapierten Sarongs. Schön, ja – aber a bissl … Copy-Paste. Was sie ned fotografiert hat: den Stau aus Scootern und SUVs, die zwischen den „magischen“ Spots hupend durchzahn, oder die Plastikberg, die an weniger Instagram-tauglichen Stränden angspült werden.
Erst später hat’s checkt, dass’s mehr Zeit damit verbracht hat, gewissen Fotos nachzujagen, als mit nur einer einzigen Balinesin oder am Balinesen zu reden. Das hat weh tan.
Gpostet hat’s die Fotos trotzdem.

Do wird’s unangenehm: Influencer zünden vielleicht das Streichholz an, aber Tourist*innen bringan den Benzin. Mir kopieren ihre Routen, drängen uns durch die gleichen Gasserln, bestellen den gleichen fotogenen Latte und jammern dann: „Irgendwie is des jetzt so fake.“ Hand aufs Herz: Ka Mensch liest ernsthaft die Historientafel von am Ort, bevor er die Kamera-App aufmacht.
Mir san ned nur passive Opfer von Influencer-Kultur.
Mir san die Nachfrageseite vom Problem.

Was könnten ma anders machen?

Ein konkreter Shift: Behandel virale Spots wie a Dessert, ned wie den Hauptgang. Geh hin, wennst willst, mach des Foto, wenn’s di wirklich freut – und dann geh weiter und verbring den Großteil deiner Zeit dort, wo ned eh schon alles im Content ersäuft. Das kann heißen: in ana Nachbarortschaft übernachten statt im „berühmten“ Ort, zu Randzeiten kommen, oder genau ein großes Wahrzeichen mitnehmen und den Rest auslassen.
Sieh deine Reise als Gschicht, die du schreibst – ned als Vorlage, die du ausfüllst.
Je weniger Screenshots du kopierst, desto mehr schaut deine Reise wieder nach dir aus.

Viele von uns spüren dabei Schuld, und die kann an einfrieren. Du machst Social Media auf und es wirkt, als wär eh schon jedes Reiseziel ruiniert. Also machst mit: Du stellst di an, seufzt, postest. Der Trick is ned, perfekte Ethik anzustreben, sondern kleine, konsequente Verschiebungen. Geh a Gasse weiter weg von der Hauptmeile. Frag a Kellnerin, wo’s wirklich essen geht. Gib gscheit Trinkgeld. Und tagg ned die exakte Location von der stillen Bucht.
So Mini-Entscheidungen san ned heroisch.
Sie nehmen einfach leise Druck raus.

Manchmal is des Respektvollste, was ma an an überfüllten Ort tun kann: tief genießen und nur leicht posten.

  • Keine exakten Geotags für kleine Cafés, Strände oder Aussichtspunkte, die offensichtlich ned für Massen gmocht san.
  • Gib wirklich Geld vor Ort aus – ned nur bei globalen Ketten oder „content-freundlichen“ Spots.
  • Begrenz di auf a paar Posts pro Reise und lass den Rest offline und persönlich.
  • Nimm Unterkünfte, die von Einheimischen gführt werden – ned nur des „ästhetischste“ Hotel in deinem Feed.
  • Geh mindestens a Stund am Tag ohne Handy in da Hand und schau, was’d sonst nie fotografieren würdest.

Die Orte, die ma verlieren – und die, die ma vielleicht no retten

Manche Reiseziele biegen si scho unter dem Gewicht ihrer eigenen Beliebtheit. Denk an Maya Bay in Thailand, jahrelang gschlossen, damit si die Korallenriffe von dem Ansturm erholen – ausgelöst durch an berühmten Film und dann unzählige Influencer-Posts. Denk an Venedig, wo riesige Kreuzfahrtschiffe und a endloser Strom an Tagesgästen die Stadt in an Zeitlupen-Evakuierungsplan für Einheimische verwandelt ham. Des san echte Gschichten, und sie san ned selten.
Aber es gibt a Orte, die leise aufblühen, weil Besucher*innen mit Neugier kommen statt mit Content-Zielen.
Gleicher Planet, andere Wirkung.

Die unbequeme Wahrheit: Reisen war noch nie ganz unschuldig. Flieger, Kreuzfahrten, Hotelketten – alles hinterlässt Spuren. Neu is die Geschwindigkeit und der Maßstab, mit dem a einziges virales Video a ruhiges Dorf in einer Saison in an Themenpark kippen kann. Und diese Geschwindigkeit heißt: Mir ham nimmer den Luxus, so zu tun, als wären unsre Entscheidungen neutral. Unsre Feeds san Karten, denen andere folgen.
Wenn ma a Ziel auf „die blaue Tür“ oder „den Rooftop-Pool“ reduziern, mach ma aus ganzen Kulturen Tapetenmuster.
An Ort kann ma ned respektvoll erleben, wenn ma ihn nur als Requisit sieht.

Wennst di nach ana Reise, die online super ausgschaut hat, aber in deiner Erinnerung ned wirklich „glandet“ is, a bissl hohl gfühlt hast: Du bist ned allan. Mir kennen des alle – der Moment, wo’d durch deine eigenen Fotos scrollst und merkst, dass’d die Bearbeitungen besser in Erinnerung hast als die Luft auf da Haut. Die nächste Reisewelle wird vielleicht ned drum gehn, unberührte Orte zu finden – die gibt’s kaum mehr.
Vielleicht geht’s drum, Orte leichter zu berühren, leiser zu bleiben und langsamer zu posten.
Die Frage is, ob ma bereit san, weniger vom Bild zu wollen und mehr von der echten Reise.

Kernpunkt Detail Nutzen für Leser*innen
Hinterfrag deine Checklisten Tausch „Muss-ich-haben“-Shots gegen a paar persönliche Prioritäten Weniger FOMO und weniger influencergetriebener Stress
Geh a Straße weiter Verbring Zeit knapp außerhalb von viralen Hotspots Ruhigere, authentischere Erlebnisse
Posten mit Zurückhaltung Geotags und Content-Menge begrenzen Weniger Druck auf fragile Reiseziele

FAQ:

  • San Influencer wirklich schuld am Overtourism? Sie spielen a große Rolle, weil’s bestimmte Spots verstärken. Aber des Problem teilen si Plattformen, Tourismusstellen und mir als Reisende, die virale Orte mit Geld und Aufmerksamkeit belohnen.
  • Is es falsch, berühmte Instagram-Orte zu besuchen? Ned automatisch. Problematisch wird’s, wenn ma’s nur als Kulisse behandelt, den lokalen Kontext ignoriert oder zur Überfüllung beitragt, ohne der Community wos zurückzugeben.
  • Was is a einfache Änderung für meine nächste Reise? Such da ein touristisches Highlight aus, des dir wichtig is, und verbring dann bewusst die meiste Zeit und’s meiste Budget in weniger gehypten Grätzln oder in nahegelegenen Ortschaften.
  • Macht weniger posten auf Social Media wirklich an Unterschied? Weniger posten und weniger geotaggen bremst die virale Verbreitung von empfindlichen Spots. Es richtet ned alles, aber es hilft, plötzliche Besucher-Spitzen zu reduzieren.
  • Wie kann i Reiseziele unterstützen, ohne zum Problem beizutragen? In der Nebensaison reisen, länger und an weniger Orten bleiben, lokale Betriebe wählen, Regeln und Bereiche nur für Bewohner*innen respektieren und jeden Ort als Zuhause von wem andern sehen – ned als dein persönliches Set.

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