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Nur unfähige Arbeiter fürchten, von KI ersetzt zu werden – ist das ehrlich oder einfach naiv?

Zwei Personen arbeiten am Schreibtisch, mit Laptop, Dokumenten und einer Notiz mit Herzsymbol.

Die Aussage is mitten im Open Space runterg’fallen wie a Granat’n.
„Nur inkompetente Mitarbeitende haben Angst, dass’s durch KI ersetzt werden“, hat a Manager g’sagt, g’lacht, Kaffee in da Hand, zu an kleinen Kreis von Kolleg:innen.
A paar ham g’kichert. Eine Person hat zum Boden g’schaut. Wer anderer hat starr auf’n Bildschirm g’schaut, Kiefer angespannt, so getan, als hätt er’s ned ghört.

Auf Slack kreist die gleiche Idee jede Wochn in an anderen Kostüm: LinkedIn-Posts über „adapt or die“, Podcasts, die damit angeben, dass „Top-Performer KI lieben“.
Wenn’s da unwohl is, bist faul. Wenn’s di fürchtest, bist zweitklassig.

Der Raum is für a halbe Sekund still worn.
Niemand wollt die Person sein, die sagt: „I hab Angst.“

Aber viele ham genau des dacht.

Wenn Angst vor KI a neue Art wird, Mitarbeitende zu beschämen

Gehst heut in irgendein modernes Büro, hörst eh immer den gleichen Soundtrack.
Wer red’ davon, wie ChatGPT den Workflow „revolutioniert“, wer anderer schwärmt von Automatisierungen, und a Führungskraft fragt, wie viele Tasks ma „an die KI auslagern“ kann.

Der Subtext hängt dick in da Luft.
Wennst ned begeistert bist, bist hinten.
Wennst dir Sorgen machst, bist schwach.

So wird aus so an g’schmeidigen Satz wie „Nur inkompetente Mitarbeitende haben Angst, ersetzt zu werden“ weniger a provokanter Hot Take und mehr a subtile Waffe.
Er teilt Teams in „Visionär:innen“ und „Dinosaurier“ – manchmal in derselben Besprechung, am selben Tisch.

Nehmen ma die Clara, 41, Teamleiterin im Customer Service in ana mittelgroßen Logistikfirma.
Ihr Job is a Mischung aus Menschen, Problemlösen und stiller emotionaler Arbeit mit grantigen Kund:innen.

Letztes Jahr hat die Firma an KI-Chatbot installiert, „für die einfachen Sachen“.
Das Management hat versprochen: keine Kündigungen, nur mehr Produktivität.
Sechs Monat später is die „natürliche Fluktuation“ auf einmal nimmer nachbesetzt worden. Aus ihrem Team von 12 sind 7 worden.

Und die Fälle, die jetzt bei der Clara am Tisch landen?
Die Unmöglichen, die juristischen Albträume, die wütenden Kund:innen, die der Bot vorher schon zur Weißglut bracht hat.
Am Papier heißt’s, sie „upskillt“ und „konzentriert sich auf komplexe Aufgaben“.
In echt is sie fertig, liest Artikel über KI und fragt sich, ob bei der nächsten „Effizienz-Welle“ ihr Name draufsteht.

Also: Is Angst vor KI nur Inkompetenz in Verkleidung?
Manchmal is Angst tatsächlich a Signal für a Skill-Gap, ja.
Wenn dein ganzer Job daraus besteht, Daten in Excel zu copy-pasten, und du hast jahrelang abg’lehnt, irgendwas anderes zu lernen, dann wird KI weh tun.

Aber das is ned die ganze Geschichte.
Angst kann auch a rationale Risikoabschätzung sein.
A Fabriksarbeiter:in, die schon zwoa Werksschließungen erlebt hat, weiß, was Automatisierung macht – ned in der Theorie, sondern bei der Miete.
A Journalist:in, die zug’schaut hat, wie nach „KI-assistierten Tools“ die halbe Redaktion g’kürzt wurde, braucht kan TED Talk über „Chancen“.

Die nackte Wahrheit is: Leute, die sich Sorgen machen, als „inkompetent“ zu bezeichnen, is a billiger Trick, um tiefere strukturelle Probleme in da Arbeit zu ignorieren.

Wie ma auf KI reagiert, ohne in die Schamfalle zu tappen

Es gibt an einfachen, undramatischen Weg, deine Angst zu testen: mach a Task-Audit.
Nimm da a Woche und schreib auf, grob, was du wirklich machst – Stunde für Stunde.
Ned dein Jobtitel, ned die Idealbeschreibung.
Die Realität.

Dann nimm an farbigen Stift für Aufgaben, die vorhersehbar, textbasiert oder repetitiv sind.
Und a andere Farbe für Aufgaben, wo’s um Verhandeln, Überzeugen, messy soziale Dynamiken, Urteilskraft unter Unsicherheit geht.
Und dann stell da a direkte Frage: Welche Farbe dominiert deinen Tag?

Des is ka Persönlichkeitstest.
Des is a grobe Landkarte von deiner Automatisierungs-Exponierung.
Wennst’s am Papier siehst, tut’s a bissl weh.
Aber genau da wird’s konkret genug, dass ma handeln kann.

Viele lassen den Schritt aus, weil’s sich anfühlt wie a Rechnung aufmachen, wo ma eh schon weiß, dass’s schlechte Nachrichten sind.
Und dann pendeln’s zwischen zwoa Extremen:
Blinder Optimismus: „KI schafft mehr Jobs als sie zerstört, also passt’s für mi.“
Oder gelähmtes Doom: „Es is sowieso alles vorbei, wozu noch.“

Beides fühlt sich beruhigend an – und beides hält di fest.
Der Trick is: die Angst benennen, ohne draus a Urteil über deinen Wert zu machen.
Du kannst heut kompetent sein und trotzdem a fragiles Job-Design haben.
Du kannst nervös sein und trotzdem gut in dem sein, was du tust.

Seien ma ehrlich: kaum wer macht das wirklich jeden einzelnen Tag.
Aber ein- bis zweimal im Jahr is immer noch besser, als so zu tun, als würd sich nix ändern, während sich deine Arbeit leise neu sortiert.

Irgendwann stößt ma dann auf die ethische Frage, die hinter dem Slogan versteckt is.

„Wenn ma die Angst von Menschen vor KI auf ‚kompetent vs. inkompetent‘ reduziert, is das a Weg, schlechte Entscheidungen von denen in Machtpositionen zu entschuldigen“, sagt a Arbeitsökonom, mit dem i g’redt hab. „Es verschiebt Verantwortung von Systemen auf Individuen. Für Executives is das bequem. Für alle anderen eher ned.“

Also: Was kannst du auf deiner Seite vom Tisch tun?

  • Jeden Monat an „KI-Shift“ in deinem Job tracken
    Schau dir eine Aufgabe an, die sich verändert hat, schneller word’n is oder verschwunden is – wegen Tools, ned wegen Buzzwords.
  • Lern eine angrenzende Fähigkeit, ned gleich a komplett neue Karriere
    Denk „Basics in Datenbereinigung“, wennst im Marketing bist, oder „Prompting + Redigieren“, wennst im Content bist.
  • Stell eine unangenehme Frage öffentlich
    In ana Besprechung ruhig fragen: „Wenn das Tool wirklich gut funktioniert: Was passiert dann mit der Arbeitslast und mit den Leuten?“
  • Bau dir an sichtbaren menschlichen Vorteil
    Kann Vertrauen bei Kund:innen sein, kreative Urteilskraft oder die Fähigkeit, Komplexes in einfache Worte zu übersetzen.
  • Weiger di, die Scham-G’schicht zu übernehmen
    Du darfst dir unwohl fühlen und trotzdem Profi sein. Beides kann in ana Person gleichzeitig wahr sein.

Brutale Ehrlichkeit oder gefährliche Naivität?

Der Satz „Nur inkompetente Mitarbeitende haben Angst, ersetzt zu werden“ klingt in am Podcast-Clip schön schneidig.
Er schmeichelt a bestimmten Typ Zuhörer: dem Hustler, dem Visionär, dem, der sich sicher auf da Gewinnerseite vom Wandel fühlt.

Aber wenn ma rauszoomt, schaut der Spruch weniger nach Erkenntnis aus und mehr wie a Spiegel von unserer Angst um Wert.
Jahrzehntelang hat ma uns g’sagt: Wennst brav lernst, gut hacklst, flexibel bleibst, bist sicher.
Dann kommt KI und flüstert leise: Deine „Sicherheit“ war immer schon zum Teil a G’schicht.

Du musst den Fatalismus ned kaufen.
Du musst aber auch ned die machohaftige Prahlerei schlucken, dass Angst gleich Inkompetenz is.
Die meisten von uns leben irgendwo zwischen Hoffnung und Grauen, versuchen die Rechnungen zu zahlen, während sich der Boden unter den Sesseln verschiebt.

Die echte Frage is ned: „Hast Angst?“
Sondern: Wer profitiert davon, wenn deine Angst als persönliches Versagen etikettiert wird – statt als Anlass, neu auszuhandeln, wie Arbeit, Wert und Technologie z’sammenspielen?

Key point Detail Value für die Leser:innen
Angst is ka Beweis für Inkompetenz Sorgen über KI können a rationales Risikobewusstsein signalisieren, ned nur Skill-Lücken Hilft da, Scham nimmer zu internalisieren und deine Reaktion als Daten zu sehen, ned als Urteil
Kartier deine echte KI-Exponierung Mach a Task-Audit, trenn repetitiv vs. urteilsbasiert, und pass dann dein Lernen an Gibt an konkreten Startpunkt für Handeln statt vager Unruhe
Entwickl sichtbare menschliche Vorteile Fokus auf Vertrauen, Kommunikation und komplexe Entscheidungen rund um KI-Tools Positioniert di als jemand, der mit KI arbeitet statt dagegen – in jeder Rolle

FAQ:

  • Macht mi KI-Nutzung in der Arbeit langfristig „ersetzbarer“?
    Ned zwingend. Wennst KI nur nutzt, um mehr Low-Level-Output rauszudrucken, riskierst, dass du mit der Maschine verschwimmst. Wennst sie nutzt, um Zeit für Urteilskraft, Strategie und Beziehungen freizuschaufeln, wirst schwerer austauschbar.
  • Was, wenn sich mein ganzer Job so anfühlt, als könnt KI den bald machen?
    Fang damit an, 10–20 % deiner Zeit für angrenzende Skills freizuschaufeln: einfache Datenanalyse, Kommunikation, kundennahes Arbeiten oder Quality Control. Du brauchst kan kompletten Reboot, nur a breitere Aufstellung.
  • Wie red i über meine Ängste, ohne dass i in der Arbeit negativ rüberkomm?
    Frame es als Neugier und Planung: „Das Tool is beeindruckend. Können ma auch besprechen, wie sich Rollen im nächsten Jahr entwickeln könnten, damit ma uns g’scheit vorbereiten?“ Ruhige Fragen kommen besser an als Rants.
  • Is es zu spät zum Anpassen, wenn i über 40 bin und ned „techy“?
    Nein. KI-Tools werden immer mehr interface-basiert und sprachbasiert, ned Hardcore-Coding. Deine Erfahrung mit Kontext, Menschen und Urteilskraft is a Asset – solange du bereit bist, ein paar neue Workflows zu lernen.
  • Wie merk i, ob meine Firma KI nutzen will, um Jobs zu streichen?
    Achte auf Muster: Gerede von „Effizienzen“ ohne klaren Plan, wie Rollen sich entwickeln sollen; Hiring Freeze; wiederholtes Schweigen, wennst nach der Zukunft fragst. Des is dein Zeichen, leise Optionen außerhalb zu diversifizieren – ned in Panik, aber auch ned passiv abwarten.

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