Die erste Partie, wo mir des auffallen is, war bei am Bewerbungsgspräch. Die Recruiterin hat a gscheit hinterfotzige Frog gstellt, und i hab zwoa Sekunden zur Deckn aufgschaut, bevor i gantwortet hab. Ihre Augnbraun hat kurz gezuckt, der Kuglschreiber is eigfrorn, und i hab sie fast denken g’hört: „Lügt’s jetzt?“ Mei Hirn hat g’rackert, um die richtige Erinnerung z’finden; mei Augen san halt einfach … mitg’gangen. Später hab i dann rausgfundn, dass irgendein „Körpersprach-Experte“ dem Team beigbracht hat, Täuschung an Augenbewegungen z’erkennen. Links heißt des, rechts heißt des, wegschauen is g’fährlich. Schön einfach, sauber, falsch.
Wir ham um soiche Abkürzungen a ganze Mini-Industrie baut.
Und trotzdem erzählt die Wissenschaft leise a ganz andere Gschicht.
Warum Wegschauen beim Reden Leit so nervös macht
Schau zwoa Leit in da U-Bahn beim Reden zu, und du siehst’s. Einer is voll dabei, Blick ruhig, nickt. Der andere antwortet und schaut dabei amoi zum Boden, zum Fenster, auf die Händ. Der Erste wirkt „selbstsicher“. Der Zweite fangt auf amoi an, ausweichend zu wirken – a wennst ned genau sagen kannst, warum. Uns wird seit da Kindheit eingetrichtert: „Schau mi an, wenn i mit dir red“ heißt Respekt und Wahrheit. Also wenn wer genau dann wegschaut, während er redt, gehn bei uns die Alarmglocken an.
Das Problem: Unser Bauchgefühl liest ned immer des Richtige.
Denk an des letzte Mal, wo’d in am lauten Gschäft an PIN merken hast müssen. Wahrscheinlich hast instinktiv kurz weg vom Kassier oder vom Kartenterminal gschaut. Du host ned glogn; du host in deinem mentalen Aktenschrank g’wühlt. Forschende an der University of Stirling ham Leit beim Beantworten von Fragen gfilmt und gfundn: Wer wegschaut, denkt oft härter nach – ned dass er was versteckt. In am klassischen Laborversuch hot ma sogoa gzeigt, dass Kinder mehr Fakten behalten, wenn’s den Blick vom Erwachsenen abwenden dürfen, der’s grad ausfragt.
Dem Hirn taugt anscheinend a bissl „visuelle Ruah“, wenn’s hacklt.
Dafür gibt’s a einfache Erklärung: Blickkontakt kostet kognitiv. Wennst wem direkt in die Augen schaust, decodiert dein Hirn gleichzeitig Mikro-Ausdrücke, soziale Signale und die eigene Nervosität. Gleichzeitig reden is no a große Aufgabe. Also lassen viele Leit für a Sekunde eine Aufgabe fallen, damit’s gscheit reden können: Sie schaun weg. Der kurze Blick zur Seitn, zur Deckn, zum Boden? Des is quasi, wie wenn dein mentaler Prozessor kurz RAM freischaufelt.
Des als Lüge zu werten is, als würdst sagen, dein Handy is hin, nur weil du Apps zugmacht hast, um Akku zu sparen.
Wie ma wirklich wen liest, der wegschaut
A brauchbare Gwohnheit is, den „Rahmen“ über die Augen hinaus zu erweitern. Wennst das nächste Mal mit wem redst, der immer wieder wegschaut, zoom gedanklich raus. Schau auf Schultern, Atmung, Stimm, Sprechtempo. Wer a Lüg spinnt, zeigt oft a Bündel an Zeichen: überkontrolliertes Gsicht, abgehackte Antworten, verzögerte Reaktionen. Wer nachdenkt, schaut meist weg, während die Gesichtsmuskeln weich bleiben und die Stimm relativ stabil bleibt. Die Augen allan erzählen selten die ganze Gschicht.
Lass die Augen a Hinweis sein, ned a Urteil.
Dann gibt’s no die kulturelle Falle. In manchen Kulturen is langer, direkter Blickkontakt unhöflich oder aggressiv. Für autistische Menschen und viele neurodivergente Leit kann Blickkontakt körperlich unangenehm oder sogar schmerzhaft sein. Eltern, Lehrkräfte, Therapeut:innen bestehn trotzdem auf „Schau mi an“, als ob Blick = Respekt wär. Der Druck kann ordentlich nach hinten losgehn. Leit fang’n an, Blickkontakt zu faken, während’s ihre echten Gedanken nach unten druckn.
Hand aufs Herz: Ka Mensch liest alle Studien, bevor er entscheidet, wer „vertrauenswürdig“ ausschaut.
Manchmal is des Mutigste, was wer in an Gespräch macht, für a Sekunde wegzuschauen und sich selber wirklich denken zu hören.
- Hör auf, Blickkontakt als Lügendetektor zu verwenden
- Schau auf Muster über die Zeit, ned auf an komischen Blickmoment
- Kontext zählt: Stress, Kultur, Neurodivergenz
- Stell klärende Fragen, statt still zu urteilen
- Verwende selber a weicheren Blick, damit si andere sicherer fühlen
Vielleicht is ned der Blick das Problem, sondern unser Hunger nach Abkürzungen
An der alten Gschicht is was Beruhigendes: Lügner schauen weg, Ehrliche schaun dir in die Augen. Es gibt uns die Illusion, dass ma Gut und Böse in am Wimpernschlag sortieren können. Aber das echte Leben is zacher. A schüchterne Person kann auf ihre Schuh schaun und dir dabei des Echteste erzählen, wasd die ganze Wochn hörst. A gschliffener Manipulator kann perfekten, warmen Blickkontakt halten und dir a Gschicht verkaufen, die nie passiert is. Zwischen den zwoa is Blickrichtung a mieser Kompass.
Was ma wirklich spürt, is Stimmigkeit: wenn Wörter, Ton und Mikroverhalten am gleichen Ort daham san.
Wenn das nächste Mal wer mitten im Satz wegschaut, kannst Neugier statt Misstrauen wählen. Frag di: Sucht die Person grad das richtige Wort, versucht’s ned zu weinen, macht’s Kopfrechnen, rutscht’s in a Erinnerung? Oder macht’s zu, wird starr, wirkt plötzlich einstudiert? Der Unterschied is subtil, aber wennst drauf achtest, is er viel verlässlicher als jeder „schau links, schau rechts“-Mythos.
Wir kennen’s eh alle: der Moment, wo’d a halbe Sekunde Abstand von fremden Augen brauchst, nur damitst deine eigene Stimm findest.
A leiwandes Experiment is, mit deinem eigenen Blick zu spielen. Verbring an Tag damit, deine Augen beim Reden ganz natürlich wandern zu lassen – und am nächsten Tag zwing di zu starkem Blickkontakt. Spür den Unterschied im Körper. Die Anspannung, die Erleichterung, wie die Gedanken fließen. Wahrscheinlich merkst dann was, was Psycholog:innen langsam zugeben: Augenverhalten geht weniger um Wahrheit vs. Lüge, und mehr darum, wie dein Hirn mit sozialem Druck umgeht. Wennst das bei dir spürst, wird’s leichter, andere mit a bissl mehr Freundlichkeit zu lesen.
Dann fühlen sich Gespräche mehr wie gemeinsam geteilte Räume an – und weniger wie stille Verhöre.
| Kernaussage | Detail | Nutzen für Leser:innen |
|---|---|---|
| - | Wegschauen zeigt oft Denkarbeit, ned Täuschung | Reduziert Stress wegen dem eigenen Blick und den Reaktionen anderer |
| - | Signal-Bündel san besser als einzelne „Anzeichen“ wie Blickrichtung | Liefert a genauere, nuanciertere Art, Leit einzuschätzen |
| - | Kontext (Kultur, Neurodivergenz, Stress) verändert Blickkontakt-Muster | Hilft, unfairen Urteilen und Missverständnissen auszuweichen |
FAQ:
- Frage 1: Heißt Wegschauen beim Reden immer, dass wer lügt?
Überhaupt ned. Forschung zeigt, dass es oft heißt, dass’s Hirn härter hacklt, um Infos abzurufen oder Wörter auszuwählen – ned, dass wer was verstecken will.- Frage 2: Warum sagen manche Psycholog:innen trotzdem, Blickkontakt verrat Lügen?
Weil alte, stark vereinfachte Körpersprache-Modelle in Medien und Trainings schnell verbreitet worden san. Neuere Erkenntnisse san nuancierter und weniger „griffig“, drum setzen’s sich langsamer durch.- Frage 3: Woran erkenn i, ob wer wirklich unwohl is und ned unehrlich?
Schau auf den ganzen Körper: angspannte Schultern, herumfummeln, flache Atmung und gehetzte Sprechweise deuten auf Unwohlsein hin. Ehrlichkeit zeigt si mehr in Konsistenz als in Blickrichtung.- Frage 4: Is es unhöflich, wenn i beim Sprechen ned dauernd Blickkontakt halt?
In manchen Situationen wird’s erwartet, aber du kannst’s ausbalancieren: kurze, regelmäßige Blicke anbieten und dann zum Denken wieder wegschauen. Du darfst auf dein Wohlgefühl schaun und trotzdem präsent sein.- Frage 5: Was tu i, wenn wer glaubt, i lüg, weil i wegschau?
Benenn’s locker: „I schau weg, wenn i nachdenk – gib ma a Sekunde.“ Wenn’s ausgesprochen wird, entspannt das oft beide und setzt’s Gespräch neu auf.
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