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Warum Intervallfasten ein Schwindel ist, den die Wellness-Industrie nicht infrage gestellt haben will.

Person am Tisch mit Smoothiebowl, Handy, Glas Wasser, offenem Buch; im Hintergrund Nahrungsergänzungsmittel und Pflanze.

Der Tag, an dem mein Freund Sam um 11:03 Uhr in einem Coworking-Space mit Glaswänden in Ohnmacht g’fallen is, hat ka Mensch „Autophagie“ erwähnt. Erwähnt worn san Kaffee, Deadlines und die Frage, ob wer eam a Kipferl bringen sollt. Er war am Tag 19 von am „sauberen 16:8 Intervallfasten-Reset“ und hat jedes Fasten in ana App getrackt, die g’brummt hat wie a Tamagotchi, des nach Lob giert.

Wie er wieder aufgwacht is, hat er eher peinlich berührt g’schaut als erleuchtet. Sei Smartwatch hat des ganze Spektakel mitg’schnitten.

Draußen, am Handy, hat scho a Werbung gwartet: a nagelneuer Fasten-Tracker, der „zelluläre Verjüngung“ und „mentale Klarheit“ verspricht.

Big Wellness hat ka Sekund’ verloren.

Warum die Fasten-Fantasie so verführerisch wirkt

Scrollst um 7 in der Früh durch Instagram, siehst immer wieder des gleiche Bild: schwarzer Kaffee, leere Teller und selbstsichere Captions übers „Morgen gewinnen“. Es schaut sauber aus, diszipliniert, fast a bissl spirituell.

Am Papier klingt Intervallfasten simpel: In am kleineren Zeitfenster essen, Fett verbrennen, g’scheiter werden, länger leben.

In Wirklichkeit is es a Spielplatz für Apps, Supplements und Wellness-Gurus, die draufkommen san, dass „Frühstück auslassen“ des billigste Produkt is, des sie je verkauft haben.

Sams Routine hat von außen „gesund“ ausg’schaut: Stehpult, Coldplay in Noise-Cancelling-Kopfhörern, a perfekt ausgerichtete Reihe aromatisierter Elektrolyt-Sackerln am Tisch. Er hat Screenshots von seine 18-Stunden-Fasten g’postet, als wär’s Marathon-Medaillen.

Was ma ned g’sehen hat: die Fressanfälle um 10 am Abend. Die Cornflakes-Schüsseln in der Laptop-Beleuchtung. Die stille Panik, wenn er sei Fasten um 10 in der Früh mit am Oat-Milk-Latte „gebrochen“ hat und g’fühlt hat, jetzt is alles ruiniert.

A Umfrage von 2023 von ana großen Diät-App hat still und leise was Verräterisches zugegeben: A ordentlicher Teil der User hat’s nach nur a paar Wochen nimma g’schafft, die starren Fastenfenster einzuhalten. Der Hype hat länger g’halten als die G’wohnheit.

Da steckt a fad’, unsexy Wahrheit drin: Du brauchst ka gebrandetes „Fastenprotokoll“, um gelegentlich früher z’abenessen oder a Jausn auszulassen. Menschen machen des seit ewig - ganz ohne Push-Nachrichten und Premium-Plan.

Der moderne Twist is die Verpackung. Normale Hunger-Zyklen, eing’wickelt in wissenschaftliches Blabla, a Graph drauf, und auf einmal is es a „Biohack“.

Der Schmäh is ned nur die Idee vom Fasten - sondern wie Big Wellness aus deiner Grundbiologie a Abo-Modell macht.

Wie die Intervallfasten-Industrie still und leise abkassiert

Fang ma bei de Apps an. Zuerst gratis, dann „nur“ 7,99 € im Monat für bunte Charts, Streak-Badges und schwammige Gesundheitsversprechen. Sie gamifizieren deinen Hunger und nennen’s Empowerment.

Manche gehen weiter und bieten „Premium-Coaching“ an, wo da a fremde Person im Internet sagt, wann du den ersten Bissen vom Tag nehmen sollst. Du hörst nimma auf deinen Körper. Du hörst auf a Push-Notification.

Da is der klare Satz: Des macht eh fast niemand jeden einzelnen Tag.

A Leserin hat mir amoi von ihrer „Fasten-Accountability-Gruppe“ auf WhatsApp g’schrieben. Es hat als freundlicher Check-in g’startet. In Woche drei haben die Leit im Chat g’beichtet, als hätt’n’s gesündigt.

„I bin um 9:30 eing’knickt, hab a halbe Banane g’essn.“

„Gestern Abend des Fasten mit Pommes g’brochen, morgen fang i neu an.“

A Frau hat aufgehört, bei Familienfrühstücken dabei zu sein, damit’s ned ihre Streak „ruiniert“. A andere hat zugegeben, dass sie über ihre Fastenstunden g’logen hat, weil’s ned die Einzige sein wollt, die „g’scheitert“ is.

Währenddessen hat die Influencerin, die alle inspiriert hat, a eigene Elektrolyt-Marke g’launcht „zur Unterstützung deines Fastens“ um 39,99 € pro Dose. Kalorien waren verboten - aber Konsum sicher ned.

Vom Geschäftsmodell her is des genial. Verkauft wird die Abwesenheit von Essen als strukturierte, kaufbare Experience. Und rundherum stellst dann lauter Dinge, die ma wirklich kaufen kann: Bücher, Nahrungsergänzung, Timer, Online-Kurse, Retreats.

Die Wissenschaft, auf die’s sich beziehen, is oft real - aber rausgepickt, überdehnt, ohne Nuancen. Maus-Studien werden zu fetten Versprechen für Menschen. Kurzfristige Effekte in speziellen Gruppen werden zu Universal-Hacks aufgeblasen.

Und wenn’s bei dir ned funktioniert? Die Story steht scho: Dir fehlt Willenskraft. Du hast es falsch gemacht. Das Protokoll kann ned scheitern - nur der User.

Was du statt Fasten lieber machen kannst, ohne dir den Hausverstand wegzufasten

Es gibt a einfache, fast altmodische Geste, die den ganzen Lärm durchschneidet: Schau drauf, wie du dich wirklich fühlst nach’m Essen - ned, wie du laut App fühlen „sollst“.

Probier’s a Woche lang: Vergiss benannte Diäten, vergiss exakte Fenster. Notier dir nach jeder Mahlzeit nur drei Sachen:

  1. Energie (rauf, runter oder gleich)
  2. Stimmung (leichter, schwerer oder unverändert)
  3. Hunger nach zwei Stunden (noch satt, leicht hungrig, ausg’hungert)

Du wirst Muster sehen, die in ka glossy Fasten-Guide stehen - weil’s deine sind, ned ihre.

Viele Leit kommen zum Intervallfasten aus am Chaos heraus: spätabends snacken, dauernd nebenbei essen, Emotional Eating zwischen Zoom-Calls. Wenn dann a starres Schema auftaucht, fühlt’s sich an wie Rettung.

Die Falle is: vom Chaos direkt in die Kontrolle schwingen, ohne jemals die eigenen Signale zu lernen. Du lagerst Vertrauen an Uhren und Gurus aus - und gibst dir dann die Schuld, wenn dein Körper ned mitspielt.

Wenn du schon amoi heimlich vor deinem „Essfenster“ g’essn hast und dich dafür g’schamt hast: Des is ka Wellness. Des is Diätkultur im minimalistischen, wissenschaftlich angehauchten G’wand. Du brauchst ned mehr Disziplin. Du brauchst weniger moralisches Theater rund ums Essen.

Manchmal is in ana Wellness-Welt, die auf Extreme steht, des Mutigste, was du tun kannst: was leise Moderates wählen - leise nachhaltig, leise deins.

  • Von starren Fenstern auf lockere Rhythmen umsteigen
    Statt „nix vor 12“ eher: „Meistens ess i am Abend a bissl früher und vermeid späte Snackerei.“ Flexibilität is ka Versagen.

  • Alles hinterfragen, was a Abo braucht, damit’s funktioniert
    Wenn a „Lifestyle“ in sich z’sammfällt, sobald du nimmer fürs App, den Kurs oder Coach zahlst, frag dich, wem’s wirklich dient.

  • Auf Qualität schauen, ned auf Lücken
    A Tag mit Gemüse, genug Protein und g’scheiten Mahlzeiten schlägt a perfekt getimtes Fasten mit ultraverarbeitetem Essen danach. Deine Zellen merken den Unterschied, a wenn dein Tracker es ned tut.

Die unbequemen Fragen, die Big Wellness hofft, dass du nie stellst

Wennst in die Intervallfasten-Story reinbohrst, tauchen seltsame Sachen auf. Warum ignorieren so viele Programme still und leise Menschen mit Vorgeschichte von Essstörungen? Warum san Nebenwirkungen wie Angst, Schlafprobleme oder hormonelle Verschiebungen oft Fußnoten statt Schlagzeilen?

Warum klingen „Erfolgsgeschichten“ immer gleich, obwohl echte Menschen chaotisch san, kompliziert, und selten in Vorher-Nachher-Rahmen passen?

Vielleicht is das Problem ned Fasten an sich. Sondern wie a nuanciertes Werkzeug, des vom Kontext abhängt, zu am universellen Wunder aufgeblasen worden is … und zu ana Melkkuh.

Kernpunkt Detail Nutzen für dich
Fasten wird verkauft, ned nur vorgeschlagen Apps, Supplements und Coaching machen aus „Mahlzeiten auslassen“ a monetisiertes „Protokoll“ Hilft dir zu erkennen, wann Tipps profitgetrieben san, ned wohlbefindensgetrieben
Scham hält den Kreislauf am Laufen Wennst bei am strengen Fenster „scheiterst“, sollst mehr Tools kaufen statt die Regeln ändern Befreit di davon, dir die Schuld zu geben, wenn die Methode ned zu deinem Leben passt
Dein Körper gibt besseres Feedback als dein Handy Energie, Stimmung und echter Hunger schlagen Charts und Streaks Gibt dir a praktische Art, a Essmuster zu bauen, des wirklich funktioniert

FAQ:

  • Is Intervallfasten immer a Scam?
    Ned ganz. Manche fühlen sich wirklich besser, wenn’s in am kleineren Zeitfenster essen - besonders, wenn’s dadurch weniger spätabends snacken. Der Scam steckt darin, wie Big Wellness es überhypt, verallgemeinert und überteuert - bei etwas, des simpel und flexibel bleiben sollt.

  • Gibt’s Leit, die Intervallfasten ned probieren sollten?
    Ja. Alle mit Vorgeschichte von Essstörungen, Schwangere oder Stillende, Menschen mit bestimmten Erkrankungen wie Diabetes, und alle, die zu Angst rund ums Essen neigen, sollen vorher mit am echten Health-Profi reden - ned mit am Influencer oder ana App.

  • Was san Red Flags bei Fasten-Ratschlägen?
    G’schert große Versprechen, „one size fits all“-Sprache, teure Extras, das Verteufeln bestimmter Essenszeiten und Inhalte, die di fürs Hungrigsein beschämen - das san alles Zeichen für Marketing statt echter Fürsorge.

  • Wie kann i sicher experimentieren, wenn i neugierig bin?
    Klein anfangen. Vielleicht die letzte Mahlzeit a bissl früher, oder a sanfte Lücke zwischen Abendessen und Schlafengehen. Beobacht, wie du schläfst, wie du aufwachst und wie’s dir vormittags geht. Wenn’s dir schlechter geht, fehlt dir ned „Willenskraft“ - die Methode passt einfach ned für dich.

  • Was is wichtiger als Fastenfenster?
    Regelmäßige Mahlzeiten, die di satt und zufrieden machen, genug Protein und Ballaststoffe, brauchbarer Schlaf, Bewegung auf Arten, die di ned anzipfen, und a Beziehung zum Essen, die sich ned um Schuld dreht. Des is weniger sexy zum Verkaufen - aber viel mächtiger zum Leben.

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