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Wenn KI 90 Prozent der Jobs ersetzt, ist das Fortschritt oder sozialer Selbstmord?

Ein Mann arbeitet auf einem Laptop in einem Büro mit Servern, ein Dokument mit "terminated" liegt auf dem Tisch.

An einem grauen Dienstag in einem Büro mit Glaswänden landet um 9:14 Uhr die E-Mail zu den Kündigungen.
Um 9:15 klicken die Leut schon wie wild auf „Aktualisieren“, tun so, als würd’n s’ arbeiten, und schaun nervös Richtung Tür vom Chef. Das G’rücht is simpel und brutal: Das neue KI-System war grad besser als fast alle im Stockwerk.

Ein junger Analyst steht auf, Ausweis in der Hand, nach einem Fünf-Minuten-Gspräch, in dem sein Job im Grunde mit einer Zeile Code verglichen worden is. HR nennt das „Umstieg auf eine KI-unterstützte Belegschaft“. Sein Spezi am Nebentisch nennt’s ganz anders.

Die Bildschirme leuchten weiter. Der Kaffee tropft weiter.
Die Menschen fangen zum Rechnen an.
Was passiert, wenn’s nimmer 10 Prozent sind, sondern 90?

Wenn das Büro zum Serverraum wird

Geh heut in manche Tech-Firmen rein, und das lauteste Geräusch is nimmer das Reden. Es sind Lüfter: Maschinen-Racks, die in Glas-Kästen brummen, dort wo früher Teams g’sessen san. Die Schreibtische san noch da, aber es liegen weniger Rucksäcke am Boden, weniger dreckige Häferl, weniger handg’schriebene Post-its auf den Monitoren.

Was früher ein Verkaufsteam mit dreißig Leut war, is jetzt fünf Menschen und ein KI-Dashboard, das rund um die Uhr Prognosen ausspuckt. Die Produktivitätskurven grinsten nach oben. Den Übriggebliebenen sagt man, sie seien „eh glücklich“, weil sie auf der strategischen Seite sitzen.
Nur: Keiner fühlt sich besonders glücklich.

Nimm ein echtes Beispiel aus dem Kundendienst. Ein großer Telekom-Anbieter in Europa hat still und leise 7 von 10 Callcenter-Agent:innen in weniger als zwei Jahren durch KI-Sprachbots und Chatsysteme ersetzt. Die Bots erledigen Rechnungsfragen, Passwort-Resets, einfache Fehlersuche - in dutzenden Sprachen.

Am Papier is das ein Triumph. Wartezeiten sinken, Kosten werden g’spart, Kund:innen kriegen um 2 in der Früh Antworten ohne Seufzer oder Fahrstuhlmusik. Drinnen im Gebäude haben aber hunderte Beschäftigte in ihren 30ern und 40ern - Leut, die Hypothek, Kinder und Autokredit mit Schichtarbeit zamghalten haben - plötzlich g’merkt, dass ihr „Einstiegsjob“ keinen Ausgang mehr hat außer zum Parkplatz. Eine Führungskraft hat mir g’sagt, es hat sich angefühlt wie „zuschauen, wie der Boden in Zeitlupe verschwindet“.

Ökonom:innen sagen dir, so war Technik immer schon. Traktoren haben Feldarbeiter ersetzt, Tabellenkalkulationen ganze Reihen von Schreibkräften, den Liftboy gibt’s nimmer. Jobs verschwinden, neue tauchen auf, die Gesellschaft passt sich an. Das is das optimistische Drehbuch.

Der Unterschied bei KI is Tempo und Reichweite. Es trifft net nur eine Sorte Beschäftigte; es geht auf Programmierer:innen, Designer:innen, Buchhalter:innen, junge Jurist:innen, Journalist:innen, sogar Ärzt:innen beim Befund von Scans. Es braucht keinen Schlaf und keinen Krankenstand, und sobald’s trainiert is, kopiert’s sich fast gratis überallhin.
Die Mischung macht „90 Prozent ersetzt“ weniger nach Science-Fiction und mehr nach einem schlecht gemanagten Rollout, der nur drauf wartet, zu passieren.

Wie man lebt in einer Welt, in der der Chef vielleicht ein Algorithmus is

Wenn dein Job mit Bildschirm, Wörtern, Zahlen oder wiederholbaren Entscheidungen zu tun hat, bist du bei KI eh schon am Radar. Eine der g’scheitesten Sachen grad jetzt is schmerzhaft simpel: Setz di hin, schau dir deine Aufgaben an und sortier sie in „automatisierbar“ und „zutiefst menschlich“.

Die wiederkehrenden E-Mails, Routine-Reports, Format-Designs - das is der Spielplatz für die Automatisierung von morgen. Die chaotischen Telefonate, strategischen Entscheidungen, komplexen Verhandlungen, kreativen Sprünge und emotional aufgeladenen Gespräche liegen im anderen Stapel. Schieb deine tägliche Arbeit Schritt für Schritt Richtung diesen zweiten Stapel.
Du kämpfst net gegen die Maschine. Du änderst, was du einbringst, damit’s sie net kopieren kann.

Es gibt da aber einen Haken, den niemand auf LinkedIn gern zugibt. Nach Dienstschluss „upskillen“, endlos netzwerken, nebenbei ein Projekt starten - das trifft am härtesten die, die eh schon fertig san. Eltern, Pflegende, Leut mit zwei Jobs haben keine freien Abende, um „auf Prompt Engineering umzuschulen“.

Darum muss die echte Veränderung geteilt werden: Firmen und Staat müssen Umschulung finanzieren, net nur Hochglanz-PDFs über die „Zukunft der Arbeit“ veröffentlichen. Wenn dein Arbeitgeber KI einführt und nur über Kostensparen redet, is das ein Warnsignal. Ein menschlicher Rollout redet über Trainingsbudgets, interne Wechselmöglichkeiten und darüber, was mit denen passiert, die net einfach in die neuen Rollen sprinten können.
Seien wir ehrlich: So macht’s kaum wer - und sicher net jeden Tag.

„KI is net nur ein Produktivitätswerkzeug. Bei 90 Prozent Ersatz wird’s zu einer politischen Entscheidung darüber, wer ein stabiles Leben haben darf“, hat mir ein Arbeitsforscher g’sagt, den i interviewt hab. „Das als neutrale Technologie zu behandeln is eine bequeme Illusion.“

  • Stell im Job harte Fragen. Wenn KI-Projekte angekündigt werden, frag, welche Rollen gefährdet sind, welche Umschulungen geplant sind und wie Erfolg gemessen wird - net nur über Kostenkürzungen.
  • Dokumentier deinen echten Wert. Führ still ein Logbuch über Probleme, die du ohne klare Anleitung gelöst hast - wo dein Urteil, deine Ethik oder dein Einfühlungsvermögen wichtig war.
  • Lehn di in die „g’finkelten“ Skills hinein. Konfliktlösung, Storytelling, Kund:innenvertrauen, interkulturelle Zusammenarbeit - klingt weich, aber genau dort stolpern Algorithmen noch.
  • Probier KI aus, aber bet sie net an. Nutz die Tools wie Praktikant:innen, net wie Orakel. Test, korrigier, lern die blinden Flecken und behalt einen menschlichen „Plausibilitätscheck“ in der Schleife.
  • Bleib sozial angedockt. Neue Jobs kommen oft zuerst über Menschen, net über Plattformen. Kolleg:innen, lokale Communities, Gewerkschaften, Alumni-Gruppen - diese Netzwerke zählen, wenn ganze Abteilungen verschwinden.

Fortschritt - oder eine langsame Art von sozialem Suizid?

Wenn man die Buzzwords kurz wegschiebt, wird die Frage brutal einfach. Wenn 90 Prozent der Beschäftigten ersetzt werden und deren verlorene Löhne net irgendwie wieder zurück in die Gesellschaft fließen: Wer soll dann überhaupt die Produkte kaufen, die die Maschinen mitproduzieren? Der Markt lebt net von Server-Abos allein.

Eine Zukunft mit Überfluss ohne Käufer:innen is kein Fortschritt - das is ein Rechenfehler mit menschlichen G’sichtern. Gleichzeitig bringt’s nix, Technologie einzufrieren, nur weil wir Angst haben. Die tiefere Herausforderung is kollektiv: mit Gesetzen, Steuern, Bildung und ganz altmodischem Druck von unten KI-Gewinne in gemeinsame Gewinne verwandeln - net nur in Gewinne für Aktionär:innen.

Wir kennen das alle: der Moment, wo der eigene Job plötzlich fragil wirkt und irgendwie optional. Unter KI könnt sich dieses Gefühl weit über einen einzigen nervösen Dienstag hinaus ausbreiten. Die echte Grenze is net, was die Systeme können - sondern was für eine Gesellschaft wir sein wollen, während sie’s tun.

Kernpunkt Detail Nutzen für die Leser:innen
Schau, wo du exponiert bist Unterscheid in deinem Job Routine-Aufgaben vs. zutiefst menschliche Aufgaben Gibt einen konkreten Startpunkt, um dich anzupassen, bevor Kürzungen kommen
Gestalt mit, wie KI im Job landet Stell direkte Fragen zu Umschulung, Mobilität und sozialer Wirkung Macht dich vom passiven Ziel zur aktiven Stakeholder-Person
Investier in „g’finkelte“ Skills Entwickel Urteilskraft, Empathie und komplexe Kommunikation Baut Widerstandskraft in Rollen auf, die am schwersten voll zu automatisieren sind

FAQ:

  • Frage 1 Wird KI wirklich 90 Prozent der Jobs ersetzen, oder is das nur Hype?
  • Frage 2 Welche Arten von Jobs sind am meisten gefährdet durch großflächigen KI-Ersatz?
  • Frage 3 Was können Beschäftigte jetzt tun, wenn ihre Firma KI-Tools sehr schnell ausrollt?
  • Frage 4 Gibt’s realistische Wege, KI-Gewinne in gemeinsame soziale Vorteile zu verwandeln?
  • Frage 5 Könnt breiter KI-Ersatz tatsächlich zu einer kürzeren Arbeitswoche für alle führen?

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