Zum Inhalt springen

Wer sich heute weigert, mit KI zu arbeiten, wird morgen schwer einen Job finden – stimmt das oder ist das nur Technik-Propaganda?

Mann am Schreibtisch mit Laptop und Diagrammen, analysiert Unterlagen; Frau im Hintergrund schreibt an Tafel.

Die Botschaft ist beim Montags-Stand-up reingeflattert – genau zwischen Kaffeenachfüllen und einem Slack-Benachrichtigungs-Gewitter. „Ab dem nächsten Quartal wird von allen erwartet, KI-Tools in den täglichen Workflow zu integrieren.“ Keine Diskussion. Kein Kontext. Einfach ein beiläufiger Satz von einer Führungskraft, die das Wochenende offenbar mit ChatGPT-Prompts verbracht hat.

Rund um den Tisch hat man fast sehen können, wie sich Sollbruchstellen auftun. Begeisterte Gesichter: „Endlich!“ Besorgte: „Werd i grad ersetzt?“ Ein Developer hat still einen neuen Tab aufgemacht und nach „Prompt-Engineering-Kurs“ gesucht. Wer anderer hat gemurmelt: „Des is nur Silicon-Valley-Propaganda.“

Die neue, unausgesprochene Angst ist im Raum g’hängt: Wennst ned mit KI arbeitest – hast in fünf Jahren überhaupt noch an Job?

Ist KI wirklich a neue Grundkompetenz – oder nur a neues Buzzword?

Gehst heut in irgendein Büro, siehst fast immer dasselbe Bild: Eine Kollegin prahlt, wie ihr die KI den Bericht in zehn Minuten g’schrieben hat, und ein anderer druckt noch immer E-Mails aus.

Dazwischen wird ein unsichtbarer Graben breiter. Die erste Gruppe redet vom „Hebeln“ von Sprachmodellen und Automatisierung, als wär’s Fitness-Equipment. Die zweite scrollt LinkedIn und wird still überflutet von Posts wie: „Leut, die keine KI verwenden, werden von denen ersetzt, die’s tun.“

Der Satz klingt wie a Drohung, verkleidet als Karrieretipp. Und er bleibt hängen.

Bringen wir’s auf was Greifbares. Eine französische Marketingagentur hat kürzlich intern getestet: Ein Team hat „old school“ gearbeitet, das andere hat KI für Entwürfe, Gliederungen und Datenchecks genutzt. Gleiches Briefing, gleiche Deadline.

Das KI-unterstützte Team hat drei komplette Kampagnenkonzepte abgeliefert statt nur einem. Waren die alle genial? Nein. Zwei waren solide, eines war zum Vergessen. Aber die Menge hat ihnen Optionen gegeben – und der Kunde hat’s geliebt, wählen zu können. Das Nicht-KI-Team ist nicht plötzlich unnütz worden. Es hat nur langsamer ausg’schaut.

Und wie dann die Beförderungen angestanden sind: Errat’s, welches Team in den Bewertungsnotizen als „zukunftsfit“ beschrieben worden ist.

Das ist der leise Shift, der grad passiert. KI ersetzt nicht über Nacht alle – aber sie verändert, wie „durchschnittliche Leistung“ ausschaut. Vor drei Jahren war’s ein Vorteil, schnell mit Google und Excel zu sein. Heute kann ein Junior mit ChatGPT E-Mails entwerfen, Reports zusammenfassen und Meeting-Notizen in Minuten vorbereiten.

Damit verschiebt sich die Latte für „Basis-Produktivität“. KI komplett zu verweigern macht dich nicht sofort unbeschäftigbar. Es macht bloß das, was gestern normal war, morgen zu einem Handicap. Das echte Risiko ist nicht, dass du wegen KI-Ignoranz gekündigt wirst – sondern dass du langsam zu der Kollegin oder dem Kollegen wirst, den alle bei wichtigen Projekten umgehen.

Wie du mit KI arbeitest, ohne deine Seele (oder deinen Job) zu verkaufen

Der hilfreichste Schritt ist grad deppert einfach: Behandel KI wie eine Praktikantin für Rohentwürfe – nicht wie a Zauberkistl. Du gibst Kontext, Rahmenbedingungen, Tonalität rein, und dann zerlegst du, was zurückkommt, und machst es besser.

Fang mit einer wiederkehrenden Aufgabe an. Vielleicht Kund:innenmails, Code-Kommentare, Unterrichtsplanungen, Meeting-Agenden oder Social-Posts. Lass dir von einem KI-Tool eine erste Version erstellen. Schreib um, was nicht nach dir klingt. Behalt, was dir Zeit spart.

Mach das 15 Minuten am Tag für zwei Wochen: Du wirst die KI nicht „meistern“, aber du fühlst dich nimmer wie ein Tourist im eigenen Job.

Viele blockieren, weil’s glauben, „mit KI arbeiten“ heißt, dass man a Prompt-Zauberer werden muss. Sie machen das Tool auf, tippen einen vagen Satz rein, kriegen a fadenscheinige Antwort und sagen dann: „Des Zeug is eh useless.“

Kenn ma alle: der Moment, wo das Tool dümmer wirkt als der Hype. Der Trick ist, dass du dein Fachwissen in den Prompt reinbringst: echte Zahlen, Kund:innenprofile, deinen üblichen Ton, deine Grenzen. KI ist grauenhaft bei „Sei kreativ“, aber überraschend gut bei: „Schreib a freundliche E-Mail zur Bestätigung vom morgigen Call, 80 Wörter, einfache Sprache, keine Buzzwords.“

Und ehrlich: Kaum wer macht das wirklich jeden einzelnen Tag. Die, die’s tun, ziehen leise davon.

Dazu kommt ein psychologischer Knoten: die Angst, vom eigenen Werkzeug ersetzt zu werden. Viele sagen: „Wenn i zeig, dass KI die Hälfte meiner Tasks kann – brauchen’s mi dann weniger?“

Die ehrlichere Version ist meistens: „Wenn i nur Ausführung liefere und kein Urteil, keinen Geschmack und keinen Kontext – dann ja: KI is a Bedrohung.“

Der echte Upgrade ist also nicht technisch, sondern menschlich. Du willst deinen Wert näher an Entscheidungen bringen, nicht nur an Deliverables. Dort stolpert KI noch: Nuancen, Politik, gelebte Erfahrung.

  • Nutz KI fürs Drafting, aber du entscheidest, was richtig klingt.
  • Nutz KI fürs Brainstorming, aber du wählst aus, was zur Kultur passt.
  • Nutz KI fürs Zusammenfassen, aber du markierst, was wirklich zählt.
  • Nutz KI zum Übersetzen, aber du merkst, wann a Formulierung schief landet.
  • Nutz KI fürs Tempo, aber du übernimmst Verantwortung fürs Ergebnis.

Propaganda, Wahrheit – oder was Unangenehmes dazwischen?

Der Satz „Wer sich heute weigert, mit KI zu arbeiten, ist morgen unbeschäftigbar“ ist gebaut, um Angst zu triggern. Klingt wie a Slogan, den ein Startup-Gründer vor der nächsten Finanzierungsrunde zusammengekocht hat.

Trotzdem sieht man unter dem Drama schon was Reales. Recruiter scannen leise nach Zeichen von digitaler Neugier. In Jobbeschreibungen schleichen sich Zeilen ein wie „sicher im Experimentieren mit KI-Tools“ oder „starke Fähigkeit, sich an neue Technologien anzupassen“. Das ist keine Prophezeiung – das ist der Markt, der mitschreibt.

Gleichzeitig laufen ganze Branchen noch mit Papierformularen, Faxgeräten und Leuten, die wissen, wie man wütende Kund:innen face-to-face beruhigt. Nicht jede:r wird in ein Prompt-Engineering-Bootcamp gezwungen.

Was sich echter anfühlt, ist das: Die Kosten vom Ignorieren sind nicht sofortige Arbeitslosigkeit, sondern schrittweises Abstellgleis. Weniger spannende Aufgaben. Weniger Hebel in Gehaltsgesprächen. Ein wachsender Abstand zwischen dem, was du an einem Tag schaffst, und dem, was andere schaffen.

Es wird immer Platz geben für die Pflegekraft mit ruhiger Hand, die Lehrerin, die a Klassenzimmer „lesen“ kann, oder den Tischler, der weiß, wie Holz im Winter arbeitet. Aber sogar die stoßen zunehmend auf KI-gestützte Terminplanung, automatisierte Dokumentation und Prognose-Tools.

Du musst die Technologie nicht anbeten. Du musst nur aufhören so zu tun, als wär’s a vorübergehender Trend wie 3D-Fernseher.

Vielleicht ist der gesündere Rahmen der: Du musst KI nicht lieben. Aber du musst ihre Sprache gut genug können, damit du nicht getäuscht wirst oder draußen bleibst.

Das kann heißen: zu wissen, wann KI Daten halluziniert. Oder wann eine perfekt „optimierte“ E-Mail kalt wirkt und nicht zur Marke passt. Oder wann ein generiertes Bild eine ethische Grenze überschreitet.

Der echte Graben wird nicht Mensch gegen Maschine sein. Sondern Menschen, die Maschinen mit klarem Kopf steuern können, gegen Menschen, die lieber wegschauen und hoffen, dass der Sturm vorbeigeht. Der Sturm ist eh schon da. Er ist nur nicht so apokalyptisch – und auch nicht so glamourös – wie’s die Slogans behaupten.

Kernaussage Detail Nutzen für dich
KI verschiebt die Basis KI macht aus dem „schnellen Hackler“ von gestern den „Durchschnitt“ von heute Hilft dir zu verstehen, warum Kolleg:innen mit KI scheinbar schneller vorankommen
Partnerschaft statt Anbetung KI wie eine Praktikantin für Rohentwürfe behandeln, die du überarbeitest – nicht wie ein Genie, dem du gehorchst Gibt dir einen praktischen, stressarmen Einstieg, ohne dass du deine Stimme verlierst
Menschlichen Vorteil absichern Wert auf Urteilskraft, Kontext und Beziehungen legen Zeigt, wo du Energie investieren solltest, damit du langfristig beschäftigungsfähig bleibst

FAQ:

  • Frage 1: Ist es wirklich gefährlich für meine Karriere, wenn i gar keine KI nutz?
    Kurzfristig wahrscheinlich nicht. Langfristig riskierst, langsamer und weniger flexibel zu sein als Kolleg:innen, die KI nutzen – das kann Beförderungen, Gehaltserhöhungen und Zugang zu spannender Arbeit beeinflussen.
  • Frage 2: Muss i KI-Expert:in werden, um beschäftigungsfähig zu bleiben?
    Nein. Du brauchst Grund-Fitheit: wissen, was KI kann und was nicht, und sie nutzen, um Routineaufgaben zu beschleunigen, während du dich auf höherwertige Arbeit konzentrierst.
  • Frage 3: Was ist ein einfacher erster Schritt, um mit KI zu starten?
    Nimm eine repetitive Aufgabe, die du hasst, lass dir von einem KI-Tool einen Entwurf erstellen und überarbeite ihn stark. Wiederholen, bis es dir wirklich Minuten spart.
  • Frage 4: Was, wenn meine Firma KI-Tools wegen Vertraulichkeit verbietet?
    Du kannst trotzdem daheim lernen – mit privaten Projekten, synthetischen Daten oder generischen Prompts – damit deine Skills bereit sind, wenn sich Policies ändern.
  • Frage 5: Ist die Idee „ohne KI unbeschäftigbar“ nur Marketing-Propaganda?
    Sie ist übertrieben, aber sie zeigt auf einen echten Wandel: Arbeitgeber schätzen zunehmend Menschen, die sich an neue Tools anpassen, statt sie standardmäßig abzulehnen.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen