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Wissenschaft entlarvt den Olivenöl-Mythos und zeigt ein günstiges Alltagsfett, das gesünder macht.

Hand gießt Öl in eine Schüssel neben einem Wok mit Gemüse, frischen Kräutern und Nüssen auf einer Küche-Arbeitsfläche.

Der Supermarktgang war seltsam still – nur das Brummen der Kühlgeräte und das leise Klirren von Glasflaschen, während a Frau im dunkelblauen Mantel vorm Ölregal stehen blieb. In der einen Hand: a schicke Flasche extra natives Olivenöl mit poetischem italienischem Etikett. In der anderen: a gedrungene, bescheidene Flasche von etwas Billigerem – deutlich weniger glamourös. Sie drehte beide um, seufzte und machte diese winzige Kopfrechnung, die ma alle kennen: zwischen Gesundheit, Geschmack und Geldbörsl.

Diese Szene spielt sich jeden Tag in Millionen Küchen ab. Olivenöl auf der einen Seite, gekrönt als König der „gesunden Fette“. Alles andere auf der anderen Seite – im Schatten, wie zweitklassige Statisten.

Und trotzdem schreibt die neueste Wissenschaft gerade leise das Drehbuch um.

Der Olivenöl-Heiligenschein bekommt Risse unterm Mikroskop

Jahrelang hat Olivenöl so a Art Wellness-Heiligenschein getragen: Mittelmeerdiät, Hundertjährige in Bergdörfern, Sonnenuntergänge über griechischen Inseln – wir haben das Marketing mit dem Salatdressing quasi mitgeschluckt. Es geht nicht darum, dass Olivenöl schlecht wär. Sondern darum, dass die Geschichte drumherum a bissl zu perfekt worden is.

Ernährungsforscher sagen jetzt was viel weniger Romantisches und viel Bodenständigeres: Entscheidend is das gesamte Muster der Fette, die du isst – net die eine „Wunderflasche“ am Küchenkastl. Und wenn verschiedene Öle direkt miteinander verglichen werden, taucht ein ganz alltägliches Fett immer wieder erstaunlich weit vorne auf.

2023 hat eine große Auswertung von über 20 Studien zu Nahrungsfetten eine leise, aber ziemlich massive Botschaft geliefert: Menschen, die einen Teil ihrer gesättigten Fette (Butter, Obers, Palmöl) durch bestimmte pflanzliche Öle ersetzt haben, konnten ihr Risiko für Herzkrankheiten um bis zu 20 % senken. Nicht nur mit Olivenöl.

Raps-/Canolaöl, high-oleic Sonnenblumenöl und sogar das unscheinbare Rapsöl haben in echten Mahlzeiten – nicht in Laborfantasien – ähnliche Schutzeffekte gezeigt. Ein EU-finanziertes Projekt hat Erwachsene in mehreren Ländern begleitet und festgestellt: Wer eine Mischung aus ungesättigten Ölen verwendet (nicht nur Olivenöl), hatte bessere Cholesterinwerte und über die Zeit a bisserl weniger Gewicht.

Die Pointe? Einige der bestabschneidenden Fette stehen im untersten Regal – ohne fancy Marke und mit einem Supermarkt-Etikett, das laut „Budget“ schreit.

Wissenschaftler kommen immer wieder auf eine simple Erklärung zurück: Struktur statt Status. Öle, die reich an einfach ungesättigten Fettsäuren sind und ein brauchbares Omega‑3-zu-Omega‑6-Verhältnis haben, unterstützen Herz- und Stoffwechselgesundheit – egal ob aus der Toskana oder von einem kühlen Feld in Kanada.

Canolaöl (in Europa meist Rapsöl) ist da ein gutes Beispiel. Es ist – wie Olivenöl – reich an einfach ungesättigten Fetten, bringt aber zusätzlich Alpha-Linolensäure (pflanzliches Omega‑3) mit. Es schmeckt neutral, hat einen hohen Rauchpunkt und kostet meistens deutlich weniger. Das is nicht der Plot-Twist, den die Olivenölindustrie gern hätte – aber genau das, was Laborwerte immer wieder andeuten.

Das Alltagsfett, das still die richtigen Boxen abhakt

Also: Welches „gewöhnliche“ Fett taucht in Ernährungs-Papers so oft auf, als wär’s überraschend heroisch? In vielen Haushalten ist es die große, leicht langweilige Flasche Raps-/Canolaöl neben dem Herd. Kein goldgrünes Leuchten, kein rustikales Dorf am Etikett.

Forscher mögen’s aus Gründen, die brutal unsexy sind: Es funktioniert im Körper und in der Pfanne. Einfach ungesättigte Fette dominieren, die kleine Portion Omega‑3 gibt einen hilfreichen Vorteil, und unter Hitze baut es sich nicht so schnell ab wie manche trendigen Öle. Du kannst damit Gemüse rösten, schnell wokken, leicht backen oder sogar Mayo machen – ohne dass alles nach „Gesundheitsvortrag“ schmeckt.

Nimm ein typisches Wochentags-Abendessen: Erdäpfel, ein Blech Karotten und Zwiebeln, vielleicht a bissl Hendl. Ersetzt du Butter oder anderes festes Fett durch einen Schuss Rapsöl, hast du das Fettprofil vom ganzen Essen verschoben, ohne das Rezept zu ändern. Dieser kleine Schubs, ein paarmal pro Woche wiederholt, ist genau die Art Veränderung, die Populationsstudien tatsächlich sehen.

In Kanada und Teilen Europas, wo Raps/Canola Standard und günstig ist, zeigt sich ein stabiles Muster: Haushalte, die überwiegend damit kochen, haben tendenziell etwas niedrigere LDL-Cholesterinwerte und bessere Entzündungsmarker als jene, die stark auf Butter oder tropische Öle setzen. Niemand trinkt Shots davon oder macht virale TikTok-Challenges. Sie kochen einfach normal – und aufs Geldbörsl schauend.

Die Logik dahinter ist simpel: Gesättigte Fette packen im Körper „dichter“ und schieben LDL-Cholesterin eher nach oben. Ungesättigte Fette sind „lockerer“ und wirken tendenziell in die Gegenrichtung, wenn sie die gesättigten ersetzen. Genau das wiederholen Organisationen wie WHO und große kardiologische Fachgesellschaften in ihren trockenen, fußnotenreichen Berichten.

Die Verwirrung kommt davon, wie wir über Essen reden. Wir heben eine „Hero-Zutat“ hoch und vergessen den Kontext. Ein Schuss extra natives Olivenöl über Pommes macht das Gericht nicht magisch zum Longevity-Hack. Und ein Wochentags-Wokgericht in günstigem Rapsöl kann still schützend sein – auch wenn’s nie auf Instagram landet.

Wie du billigere Öle wie ein Ernährungsprofi nutzt (ohne so zu leben)

Der praktische Teil: Du musst Olivenöl nicht wegschmeißen. Du gibst ihm nur a neue Rolle. Denk deine Fette wie a kleines Team: Nimm ein günstiges, ungesättigtes Öl – Raps/Canola, high-oleic Sonnenblumenöl – für das tägliche „Schwerheben“: Rösten, Anbraten, Backen. Und behalt ein aromatisches extra natives Olivenöl für den Abschluss und für Salate, wo der Geschmack wirklich zählt.

Eine einfache Regel, die viele Diätolog:innen daheim still anwenden: ein neutrales, gesundes Öl beim Herd, und ein geschmacksstarkes Öl am Tisch. Mehr braucht’s nicht. Kein übervolles Regal mit zehn Flaschen „für die Gesundheit“. Wenn du Gemüse röstest, Fisch einpinselst oder eine Pfanne einfettest, greif zur günstigen, unscheinbaren Flasche. Wenn du den pfeffrigen, grasigen Kick auf Paradeisern oder Hummus willst, dann darf Olivenöl glänzen.

Da prallt echtes Leben auf perfekte Ratschläge. Studien sagen: möglichst viel gesättigtes Fett durch ungesättigte Öle ersetzen, Omega‑3 im Blick behalten, schonend kochen. Seien wir ehrlich: Das macht niemand jeden einzelnen Tag.

Was du aber konsequent machen kannst: ein oder zwei einfache Tauschaktionen. Nimm unter der Woche Rapsöl statt Butter zum Kochen. Kokosöl für seltene „Treats“, nicht fürs tägliche Braten. Hör auf, in dubiosen „Pflanzenöl-Mischungen“ zu frittieren, wo nie g’scheit draufsteht, was drin ist. Kleine, langweilige Entscheidungen, oft wiederholt, ändern Laborwerte – nicht große Gesten, die man zwei Wochen durchzieht und dann lässt.

„Die Leut glauben, sie brauchen ein teures ‘Gesundheitsöl’, um sich gut zu ernähren“, sagt eine Ernährungsforscherin, mit der ich gesprochen hab, nachdem sie grad a Schüssel ganz gewöhnliche Pasta gegessen hat. „In Wirklichkeit sind die gesündesten Muster die, wo Menschen auf ein oder zwei leistbare ungesättigte Öle setzen und nicht alles in tierischem Fett ertränken.“

  • Neutrales Öl für Hitze verwenden: Zum scharf Anbraten, Rösten und Backen ein neutrales, ungesättigtes Öl wie Raps/Canola nehmen. Es ist stabil und schont den Geldbeutel.
  • Olivenöl für Geschmack reservieren
  • Etiketten checken: vage „Pflanzenöl“-Mischungen meiden, die viel Palmöl oder (teilweise) gehärtete Fette enthalten
  • An Tausch statt Perfektion denken: ein regelmäßiger Swap (Butter → Rapsöl) schlägt jede strenge „neue Diät“, die man nach einem Monat aufgibt
  • Auf die Menge schauen: auch „gesunde“ Öle sind energiereich, und der Löffel rinnt schneller als man glaubt

Mehr als nur die Flasche: Was dieser Shift über unser Essen sagt

Da ist was still Befreiendes dran, wenn man hört, dass die gesündeste Wahl in der Küche vielleicht auch die billigste und am wenigsten Glamouröse sein kann. Das zieht uns weg von der Idee, dass Wellness in Feinkostläden und fotogenem Packaging wohnt. Und es stellt eine unangenehme Frage: Wie viel von dem, was wir über „gute“ und „schlechte“ Fette glauben, kommt aus Daten – und wie viel aus Marketing und Kultur?

Du musst heut Abend nicht die Kastln ausräumen. Schau einfach auf die Flasche, die du am meisten verwendest, lies das Etikett langsam und frag dich: Liefert mir das hauptsächlich ungesättigte Fette – oder hauptsächlich gesättigte, hübsch verpackt mit Gesundheitsclaims? Und beim nächsten Einkauf kannst du die Budgetflasche mit a bissl mehr Vertrauen und a bissl weniger schlechtem Gewissen in den Einkaufswagerl legen. Die Wissenschaft hat ihr leise den Rücken frei.

Kernaussage Detail Nutzen für dich
Olivenöl ist nicht das einzige „gesunde“ Fett Raps/Canola und high-oleic Öle zeigen in Studien ähnliche Herzvorteile Freiheit, günstigere Optionen zu wählen, ohne das Gefühl, der Gesundheit zu schaden
Alltags-Swaps schlagen perfekte Diäten Butter und feste Fette ein paarmal pro Woche durch ungesättigte Öle ersetzen verändert Blutmarker Umsetzbar im echten Leben statt einer Regel, die man eh nicht durchhält
Unterschiedliche Öle für unterschiedliche Aufgaben Neutrales Öl zum Kochen, aromatisches Olivenöl zum Finishen und für Salate Besserer Geschmack, besseres Fettprofil und kontrolliertere Ausgaben für Premiumprodukte

FAQ:

  • Ist Olivenöl immer noch gesund oder hat die Wissenschaft es „gecancelt“?
    Olivenöl ist weiterhin ein sehr gesundes Fett, besonders extra natives. Die neuen Daten zeigen nur: Es ist nicht einzigartig „magisch“. Andere ungesättigte Öle wie Raps/Canola können ähnliche Vorteile bringen, wenn sie Butter und andere gesättigte Fette ersetzen.
  • Welches Alltagsöl soll ich kaufen, wenn ich aufs Budget schauen muss?
    Nimm normales Raps-/Canolaöl oder ein klar deklariertes high-oleic Sonnenblumenöl. Die sind meist reich an einfach ungesättigten Fetten, beim Erhitzen relativ stabil und deutlich günstiger als Premium-Olivenöle.
  • Ist Raps-/Canolaöl sicher? Online liest man ja Horrorsachen.
    Große Gesundheitsorganisationen und Langzeitstudien bewerten modernes Raps-/Canolaöl als sicher für den regelmäßigen Konsum. Die Online-Schauergeschichten lassen oft außer Acht, wie das Öl raffiniert, reguliert und unter Realbedingungen getestet wird.
  • Soll ich Butter komplett streichen?
    Du musst Butter nicht verbieten. Kleine Mengen für den Geschmack sind für die meisten okay. Die großen Effekte kommen davon, dass Butter nicht das Standard-Kochfett bleibt und du im Alltag öfter auf ungesättigte Öle umsteigst.
  • Und was ist mit Trendölen wie Kokos- oder Avocadoöl?
    Avocadoöl ist eine weitere gute, aber oft teure ungesättigte Option. Kokosöl ist trotz Hype reich an gesättigten Fetten und zeigt in Studien nicht die gleichen Herzvorteile – also besser gelegentlich statt täglich.

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